August 11th, 2008 by Tim Bruysten in Uncategorized

Wozu braucht es eine Designtheorie, eine Designwissenschaft? Als Designer, der die Fackel des theoretischen Designs versucht hoch zu halten, wird man erstaunlich oft mit solchen Fragen konfrontiert.

Nun sollte man denken, daß die Notwendigkeit einer Designtheorie auf der Hand liegt. Ein Designer muß sich mit Menschen auskennen, er muß wissen wie Lernen funktioniert, wenn er Objekte (reale oder virtuelle) gestalten möchte, die vom Benutzer verstanden werden können. Er muß wissen wie Aufmerksamkeit funktioniert, wenn er Botschaften senden möchte, die wahrgenommen werden (können). Er muß wissen, wie soziale Systeme funktionieren, wenn er neue Technologien in Gesellschaften integrieren soll. Er muß soziologische Prozesse verstehen, wenn er Marketing betreiben möchte. Und dies alles noch in verschiedenen Kreuzungen und Verpflechtungen.

Zudem ließe sich diese Liste lange fortsetzen und beginnt hier nur mit allgemeinen Grundlagen, die irgendwie jedem Designer egal welcher Disziplin nutzbringend sind. Sie beantwortet auch die Frage, warum Designer tiefe Kenntisse auf wissenschaftlichem Niveau über verschiedene Disziplinen anderer Geistes- und Sozialwissenschaften, ja auch Ingenieurswissenschaften verfügen sollten.

Es wird jedoch noch nicht die Frage, nach der Berechtigung einer eigenen wissenschaftlichen Designdisziplin beantwortet. Diese Antwort läßt sich in zwei Teilen gliedern.

Der erste liegt auf der Hand. Ein Designer braucht einen spezifischen Ausschnitt der oben angerissenen Disziplinen und muß sich in einen eigenen Sinnkontext bringen. Diese Theorie muß sinnvoll mit den praktischen Designfächern in einen logischen Zusammenhang gebracht werden und dem werdenden Designer erlauben, die notwendigen sinnlichen Erfahrungen zu sammeln, von denen die große Macht der designerischen Lösung technologischer Probleme ausgeht.

Die zweite ist etwas verborgener, ist indirekter aber ungleich mächtiger. Geht man von einer Designtheorie als Wissenschaft aus, so beantwortet sich die Frage nach ihrer Relevanz auch, in dem man ihre Möglichkeiten beschreibt; die Designtheorie wird qua ihrer Existenz zu einem wichtigen (und immer wichtiger werdenden) Faktor in der gesamten Forschungslandschaft hinsichtlich der Herausforderungen der Zukunft.

Wie das? Autosinnerzeugung? Ja! Denn die Herausforderungen die den Gesellschaften des Planeten Erde in den nächsten Jahren und Jahrzehnten gegenüberstehen sind vorallem eines: Heterogen. Und im besonderen ein zweites: Beschleunigt.

Neue Technologien sind immer tiefer in die Gesellschaft integriert, immer unsichtbarer, immer mächtigere Werkzeuge. Und immer komplexer werden die Kongruenzen, die Vernetzungen, die Konvergenzen von Technologien. Nano geht mit synthetischer Biologie, Gen-Forschung mit dem World-Wide-Web.

Keines dieser Produkte ist als einzelne Entität der realen Welt sichtbar. Für alle benötigen wir aber dringend Semiotik, für alle Umgangsregeln, für alle benötigen wir Interfaces, mit deren Hilfe wir mit diesem Produkten interagieren können.

Doch die zunehmende Beschleunigung selbst verlangt ebenfalls ein Regelwerk, um verstanden zu werden. Bezugnehmend auf die Artikel “Konvergente Technologien“, “Technologische Wahrnehmungslücke?” und “Peak Web” möchte ich fordern, daß wir nicht nur eine allgemein zugängliche Beschleunigungssemiotik entwickeln, sondern auch Modelle für die mehr und mehr beschleunigte Welt gestalten.

Von der Reaktion hin zur Aktion gegenüber der technologischen Entwicklung zu gelangen; Forderungen zu stellen, wie die Potentiale der Technologie sinnvoll genutzt werden können, die Frage zu stellen, ob das Design für die Zukunft tatsächlich eine mehr und mehr sinngebende Rolle übernehmen könnte und die daraus erwachsene Verantwortung zu verstehen.

Nun sollte jedem der ernsthaft und in einem heterogenen Umfeld Design studiert hat, ein Licht aufgehen. Zukunftsfähiges Design kann nicht in praktische Module verpackt werden, zukunfsfähiges Design muß erdacht werden. Es gilt hochdynamische Prozesse zu begreifen, zu verinnerlichen, auf die Metaebene zu transformieren um den Prozess der Veränderung greifbar zu machen.

Hier nun den Schluss zu ziehen, Science Fiction als Designdisziplin zu vereinnahmen, ist zu kurz gedacht. Aber auch hier kann das Design eine Rolle spielen und hat es in den vergangen Jahren auch immer wieder gespielt; Zukunft besteht aus Bildern. Doch allzu oft wirken aus der heutigen Perspektive die Visionen der Vergangenheit sehr kindlich und naiv. Daher gilt es, einen evolutionären Standpunkt einzunehmen und in der Designausbildung, wie der Praxis mit linearen Zukunftsprojektionen vorsichtig umzugehen.

Bei all dem sollte nicht vergessen werden, die Zukunft ist ein Bild der Gegenwart. Und sie wird es immer bleiben. Ein Bild, an dem extrem viele Maler in exorbitant unterschiedlichen Stilen gleichzeitig zeichnen. Nur der Raum in der Tiefe wird von Tag zu Tag größer.

Weitere Denkanregungen:
- Beschleunigung der Unschärfe
- Mensch und Maschine verschmelzen
- The Sky is the limit
- Öffentliches Wissen
- Neurologie und Design

July 7th, 2008 by Tim Bruysten in Uncategorized

Am 11. August ist es wieder soweit. Endlich. Nach einigen Wochen voller Arbeit haben wir es heute geschafft, den nächsten Düsseldorfer Webmontag auf die Reihe zu stellen. Den 6. in Düsseldorf. Insgesamt hat es wohl seit der Initialzündung im Dezember 2005 in Köln zwischen 150 und 200 Webmontagen gegeben (hat das mal eigentlich jemand ordentlich nachgezählt?).

Was ist ein Webmontag?
Ein Webmontag ist zunächst mal immer ein Montag. Und es ist einfach ein Grund sich zu treffen. Wenn man sich für Web2.0, Internet, Medientechnologie, social networking, Interfacedesign, Web-Entwicklung, Zukunftstechnologien, konvergente Medien oder nette Leute interessiert.

Es kommen Designer, Ingenieure, BWLer, Programmierer, 3D’ler, … Nerds, Visionäre und einfach Interessierte.

Eingeladen ist jeder :-)

Der 6. Düsseldorfer Webmontag wird wieder im barco (google maps) stattfinden, einer Caffee-Lounge mit excellenter Anbindung an den Düsseldorfer ÖPNV. Der HBF ist 500 Meter weit weg, U-Bahn 5 Meter. Ein günstiges 24h Parkhaus ist direkt gegenüber.

Weitersagen, -bloggen, -twittern; Leute mitbringen.

Weitere Informationen gibt es im Webmontag-Wiki, bei venteria und bei XING.

April 27th, 2008 by Tim Bruysten in web

Styleranking.de

Vor einigen Wochen haben Daniel und Roland styleranking.de gelauncht, bisher bin ich noch nicht dazu gekommen, drüber zu schreiben. Jedenfalls ist es ein Düsseldorfer Start-Up und steckt voller Potential für nützliche Dienste, die hauptsächlich Mädels im Alltag sicher gut gebrauchen können.

April 22nd, 2008 by Tim Bruysten in c-learning / e-learning

cobocards
Tamim hat sein Cobocards-Projekt online gestellt.

Cobocards beschreibt sich selbst mit:

“Mit Cobocards kannst du einfach und schnell Karteikarten erstellen, lernen und ausdrucken.
Noch besser wird es dann, wenn man das im Team macht. So kann man sich die Arbeit teilen, Verständnissprobleme schneller aufdecken und sich sogar mit Hilfe von Skype oder ähnlichen Programmen gegenseitig online abfragen.”

April 7th, 2008 by Tim Bruysten in leute

Manchmal entwickeln sich Märkte mit atemberaubender Geschwindigkeit. Was uns natürlich freut. Um aber Schwangerschaftsstreifen bei der Skalierung zu vermeiden suchen wir tatkräftige Unterstützung:

Wir suchen kompetente und teamkompatible Leute, die gestalterisch nicht völlig auf die Nase gefallen sind, eigenverantwortlich arbeiten können und Flex3, AIR, ActionScript3 und Flash mögen :-)

Wir bieten einige wirklich coole Projekte zum Beispiel in den Bereichen Wissensmanagement und Web-Video-Applikationen, ein tolles, kleines Team, internationale Kunden und eine gute Atmosphäre.
Bewerbungen und Fragen bitte an: Tim Bruysten: bruysten _at_ richtwert (punkt) eu.

March 23rd, 2008 by Tim Bruysten in tekk

Während auf der einen Seite eine Art konsolidierender Aufbruch, die Wogen der Webaufregungen glättet und zeigt, daß, nimmt man die User als Menschen und Kunden ernst, gutes Geld mit den Phänomenen der Masse zu verdienen ist und das an der Weisheit der Massen zumindest in einfachen Praxismodellen (z.B.: Öffentliches Wissen) durchaus etwas dran ist, findet untergründig eine weitere sehr viel leisere, aber vielleicht um so gewaltigere Technologierevolution statt.

Das primärtypische Merkmal des Web2.0 ist der Integrationsprozess in die lineare Technologiewahrnehmung. Die neuen technologischen Methoden, die das Web2.0 als das “benutzerfreundlichere” Web gestalten lassen und die neuen Konzepte, die die Integration des Webs in alle Lebensbereiche (siehe z.B.: Eine SMS steuert die Stadt, Ubiquitous Computing) zulassen, sind eben genau hiervon ein Ausdruck: Die Idee ist da, nun wird binnenkonsolidiert (Die nächsten 10 Webtrends).

Betrachtet man dies von Innen, so lassen sich die asozialisierenden Einflüsse, die mancherorts von Außen in dieses lineare Mißverständnis hineingepresst werden möchten schon begreifen; die Angst vor der Ersetzbarkeit durch kongruent erscheinende Muster in der “analogen” Welt und innerhalb des Webs in Verbindung mit der fortschreitenden Durchdringung der digitalen Vernetzungstechniken führen zu absonderlichen Kontrollwünschen wie der Vorratsdatenspeicherung (Ich hab doch nichts zu verbergen…). Es könnte ein Tiger sein, wir sollten es in einen Käfig stecken.

Sobald man jedoch das Metafeld betritt und über die Konvergenz von Technologien jenseits des omnipräsenten Internets reflektiert, braucht es starke Nerven und weitreichende Utopien, um mit der Vielzahl der Möglichkeiten noch umgehen zu können und vielleicht eine Chance zu haben, die Gestaltungshoheit zu behalten.

Wie kann eine Welt, in der die fortentwickelten Folgen von Nanotechnologie, synthetischer Biologie, Gentechnik, Kommunikationsvernetzung, Energietechnologien, Medizintechniken, Robotik und gar künstlicher Intelligenz konvergieren aussehen?

Langzeitvorfühler zeichnen schon seit langem ein eher düster geprägtes Bild, exemplarisch ist vielleicht H.G.Wells‘ “Wenn der Schläfer erwacht” zu nennen, das schon vor deutlich über hundert Jahren eine erstaunliche Technologie-Extrapolation darstellte. Roddenberrys utopisches Bild macht aber auch gleichzeitig deutlich, wie viel schwerer es ist, eine positive, eben nicht-dystopische Projektion zu entwickeln.

Die Ethik eines Designers im 21. Jahrhundert könnte nun darin bestehen, die realisierbaren Räume aus dem Reich der Utopien zu extrapolieren, im ersten Schritt verständlich zu kommunizieren und im zweiten auszugestalten, aber natürlich auch auf entdeckte Risiken (die realisierbaren Räume aus dem Reich der Dystopien) aufmerksam zu machen.

siehe auch:
- It’s God!
- Why Design (Philippe Starck)
- Gentechnik goes Web2.0
- Beschleunigung der Unschärfe
- The Sky is the limit

March 12th, 2008 by Tim Bruysten in event

Der 5. Düsseldorfer Webmontag wird am 21.04.2008 stattfinden. Im barco, einer gemütlichen Caffee-Lounge ganz in der Nähe des Hauptbahnhofs. Nachdem der 4. Düsseldorfer Webmontag im Flughafen ein architektonisches Glanzlicht setze und die Form der Podiumsdiskussion erfolgreich einführte, folgt hier nun die bewußt nebulös gehaltene Ankündigung, daß es neben den spannenden Einzelpräsentationen, auch wieder etwas Besonderes gibt.

Wurde beim letzten Mal die auto-reflektive Frage nach der maximalen Vernetzung und deren Folgen gestellt, wird dieser Faden diesmal erneut aufgegriffen und sozusagen etwas beschleunigt. Mehr später :-D.

siehe auch:
- Technologische Wahrnehmungslücke?
- Der Countdown läuft…
- Peak Web

March 12th, 2008 by Tim Bruysten in media

hobnox closed beta

hobnox ist in die Closed Beta Sphäre eingetreten. Ein interessantes Projekt, irgendwo zwischen Web2.0 und dem, was konsolidierend darauf folgt. Was hobnox genau ist, beschreibt es am besten selbst:

“Hobnox is a next-generation online entertainment and rich media-publishing platform, uniting broadcast-quality web media with cutting edge community-enabling technology. With Hobnox, an international media corporation is born. We combine the best of current web entertainment with the newest technological possibilities of the internet to create fascinating opportunities for both artists and audiences.”

February 1st, 2008 by Tim Bruysten in [geschichte der zukunft]

Zugegeben ein trivialer Gedanke, doch trotzdem scheinen seine Konsequenzen nicht allgemein geläufig zu sein: Soziale Systeme, Gesellschaften bilden mit Technologien synthetische Organismen mit einem hohen Grad an Emergenz und Abstraktion; die Herdplatte war aus der Utilisation des Feuers nicht direkt abzuleiten. Versucht man die Technologie wieder aus diesen Gesellschaften zu entfernen, so gleicht dies der Amputation eines wichtigen Organs in einem Organismus.

Doch der evolutionäre Vorteil der techno-sozialen Gesellschaft, mit Technologien und Methoden Symbiosen eingehen zu können, und so den Nachfolgenden schon einen vorgerückten Start zu ermöglichen, stellt sich bei der Selbstreflexion offensichtlich als erschwerende Sichtbehinderung in den Weg.
Techno-Gab, Techno-Recognition-Gab
So entsteht eine Lücke zwischen der wahrgenommenen und der tatsächlichen Technologiedichte, wodurch sich ein etwaiger exponentieller Vektor dem endogenen oder intrasystemischen Betrachter verschließt.

Hinzukommend erschwert eine angenommene psychologische Komponente des durchschnittlichen Betrachters, mit sich selbst zufrieden zu sein und von daher sich selbst eher als Ziel denn als Kettenglied der Evolution einzustufen, eine unvoreingenommene und objektive Betrachtung.

So entsteht ein Problem und eine soziale, ja politische Aufgabe für Designer, hier mittels ihrer Methoden die Transparenz zu erhöhen und den Fortschritt, sowie dessen Extrapolation auf die Zukunft sichtbarer zu machen.

January 28th, 2008 by Tim Bruysten in Uncategorized, DAS NETZ


Ein witziges, gut gemachtes Video; doch bleibt einem schnell das Lachen im Halse stecken, gedenk der Möglichkeiten, die Google tatsächlich hätte… Die Frage nach der Macht, die Information verleiht wird im 21. Jahrhundert zu völlig neuen Dimensionen gelangen. Noch nie waren die Auswirkungen so spürbar, so nah, so konkret und so gefährlich.

Es ist eine wunderbare Medialisierung für das unscharfe und fast unmerkliche Unbehagen, welches ich unter dem Begriff “Peak Web” angefangen habe zu reflektieren.

Auf dem Webmontag morgen (28.01.2008) in Düsseldorf werden wir uns dem Thema widmen und nach den Grenzen der sorgenfreien Vernetzung fragen.

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