Nach den traurigen Ereignissen der Gewalt der letzten Wochen in deutschen Schulen ist wieder eine Diskussion um Zensur der Medien und Medienkompetenz losgebrochen. heute.de schreibt darüber. Eine Diskussion, die dringend notwendig ist, leider aber häufig in die falsche Richtung läuft.
Dies aus einem einfachen Grund. Das Internet im Allgemeinen und (einige) Computerspiele im speziellen sind nicht (nur) Rezeptionsmedien, es sind Partizipations-, Kommunikations-, Distributionsmedien. Medienkompetenz wird somit zu einem entscheidenden Teil zu Sozialkompetenz und es entsteht ein Bedarf an journalistischen Fähigkeiten und Abstraktionsvermögen.
Sehenswert in diesem Kontext ist der Beitrag des elektrischen Reporter mit Peter Glaser:
- Peter Glaser über Datenschutz und Informationskubismus
Gleichzeitig wäre es fatal, dem Mangel an entsprechender Schulung und Ausbildung mit einer Zensurdebatte zu begegnen. Technologien verändern Gesellschaften. Dieser Prozess läßt sich nur mit Gewalt beeinflussen und wie China zeigt, auch dann nicht dauerhaft und niemals vollständig. Das die Anpassung allerdings oft als Schmerzhaft empfunden wird, sollte nicht allein auf die Konsumenten (der neuen Technologien) abgewälzt werden.
Technologie und Gesellschaft sind ein emergentes System und intelligente Ingenieure und Designer sollten Möglichkeiten finden, neue Technologie so anzubieten, daß sie leicht verstanden und einfach integriert werden kann. Wo dies nicht geschieht, entstehen Probleme, die sich in überlaufenden Hotlines oder mangelndem Know-How-Transfer innerhalb der Gesellschaft äußern können.
Doch sollten auch die richtigen Konsequenzen für (Aus)Bildung und Lehre gefunden werden. Faktenwissen wird unwichtiger. Methodenkompetenzen, soziale Fähigkeiten, eine philosophische Grundbildung sowie eine umfassende Allgemeinbildung werden Schlüsselkompetenzen sein, im angebrochenen Jahrhundert erfolgreich zu sein. Denn mit Hilfe dieser Eigenschaften wird die Reflexionsfähigkeit über neue Technologien und Medien steigen und damit auch die Kompetenz, diese zu seinem eigenen Zweck anzupassen.
Vielen scheint das Begreifen eines hochdynamischen, non-linearen Mediums, das sich sehr schnell entwickeln kann und dessen Grenzen per Definition kaum festzustellen sind, Angst zu machen. Das ist verständlich. Und so wie Kinder, denen aus biologischen Gründen die notwendige Reflexionsgabe noch nicht zur Verfügung steht, pädagogisch sinnvoll an das Medium herangeführt werden müssen, so ist es notwendig, ältere Menschen bei dem Anpassungsprozess zu unterstützen und über bekannte Werte eine angemessene Analysemöglichkeit zur Verfügung zu stellen.
siehe auch:
- Computerspiele als Lernsysteme
- Pädagoge stellt brutale PC-Games und Personen-Umfeld in Zusammenhang
- heute.de: SPD - Kompetenz statt ‘Killerspiel’-Verboten (extern)