Manchmal geht es ruckartig. Ein Ereignis teilt die Geschichte in ein Vorher und ein Nachher. Zuletzt geschehen vor rund einer Woche. Zumindest wenn man den Blick auf die Evolution sozialer Systeme richtet. Geht man von dem Axiom aus, dass das realisierbare wie das realisierte Kommunikationspotential grundlegende Qualitäten von Gesellschaften jeder Größe sind, so ist die Vernetzung von Individuen innerhalb der Gesellschaften, wie auch die Vernetzung zwischen Gesellschaften eine der Kennzahlen für ihren Entwicklungsstand.
Solange Vernetzung jedoch ein rein technischer, infrastruktureller Begriff ist, liegt der Schwerpunkt eher auf der abstrakten Idee des realisierbaren Kommunikationspotentials. Dieses hat im letzten Jahrhundert ausgereicht, um einige Visionäre (Beispielsweise: Ted Neslon [Xanadu], Douglas Engelbart [NLS], Apples Knowledge Navigator und viele mehr…) zu wirklich atemberaubenden Ideen zu verhelfen.
Google Wave
Google hat es nun mit Wave geschafft, diese Visionen in die Gegenwart zu transformieren und in einem konkreten Produkt zu verankern. Wave steht auf den geistigen Schultern der Pioniere der digitalen Kommunikation aus dem letzten Jahrhundert. Es ist die logische Konvergenz von Wikis, Blogs, Mikroblogs, Chat, Instant-Messaging, E-Mail, Dokument-Management, Versions-Management, Knowledge-Management, kollaborativem asynchronen und synchronen Arbeiten und viel mehr. Eine erste Vision, wie dieses Potential in Unternehmen integriert werden kann, habe ich hier gepostet.
Doch wie jede Erfindung, ist auch Google Wave nur ein Anfang. Wie das iPhone vor zwei Jahren das mobile Web revolutionierte und den Milliardenmarkt der mobile Applications erfand, so war es im Endeffekt vor Allem eins: Ein Beschleuniger für die Anderen.
Prä-Wave
Vor einigen Wochen interviewte mich das Handelsblatt. Hätte ich in der Post-Wave Zeit dort was anderes erzählt? Teilweise schon. Wie schon erwähnt, ist Google Wave zwar in seiner Dichte, nicht jedoch in seinem Ideenspektrum neu. Doch die Manifestierung dieser Ideen, verändert die konkreten Bedürfnisswelten, vor Allem die meinen. Brauchen wir das semantische Web im Post-Wave-Zeitalter? Ja! Eher mehr als vorher. Aber: Es wird zudem was es sein soll: Ein unsichtbarer Helfer.
Schöpfungshöhen von Wellen
Der wichtige Moment jetzt ist: Eine Wave ist viel mehr als eine E-Mail, die eher eine Infrastruktur darstellt. Wenn das Web geronnene Soziologie ist, dann kann eine Wave das Wissen eine Gruppe manifestieren. Was im Endwurf von Google noch fehlt, ist eine Anzeige für die Schöpfungshöhe einer Wave. Ab wann kann man eine Wave als Patent anmelden? Ab wann ist die Gruppe, die via Wave kollaboriert eine GbR? Diese Fragen und viele weitere Fragen haben wir (Siggi Becker, Alexander Benker, Peer Lambertz und ich [richtwert, XING]) vor ein paar Tagen in meinem Office diskutiert…
… what’s next?
Thema: Beschleunigung von Kollaboration und Kooperation. Was genau, verrate ich noch nicht :-)