im realitylab ist ein PDF zu finden, welches eine interessante sicht auf die entstehung und den nutzen von weblogs.
[ein kleiner auszug]:
“… Das wichtigste Merkmal der Weblogbewegung ist der Umstand, dass es sich weder um eine technologieorientierte noch um eine wirtschaftsorientierte sondern vor allem um eine persönlichkeitsorientierte Entwicklung handelt. Es gibt zwar eine Reihe von notwendigen Programmen und technischen Standards, die eigentlichen Innovation ist aber eine kulturelle: Menschen versorgen sich offen und unendgeltlich mit Information, was im Gesamteffekt in eine selbstorganisierte Kultur des Wissens mündet. Während vor allem am Beginn des WWW die Technik und ihre Möglichkeiten begeisterten, sind es nun mehr und mehr die Inhalte und die Reichhaltigkeit der Information selbst, die in den Vordergrund rücken. Weblogs stellen in diesem Zusammenhang einen koordinierten kulturellen Ansatz dar, um große Informationsmengen zu strukturieren und zu kommentieren; und zwar nicht bloß in einer Weise die für Suchmaschinen günstig ist, sondern vor allem in einer Form, die sich an andere Leser und Informationssuchende richtet, nämlich als Fließtext mit einem gewissen Anspruch an Stil und Pointe. Diese zutiefst menschlichen Bedürfnisse konnten also ins Informationszeitalter gerettet werden, mehr noch: die menschengerechte Kommunikation der Weblogs erweist sich als hocheffizient und schell. …”
ich finde besonders die kulturelle seite von weblogs interessant und wichtig, da sich die meisten techniken und innovationen des webs nicht, oder nur wenig in die gesellschaft integrieren, respektive von dieser angenommen werden, das internet eigendlich aber ein soziales netzwerk und erst an zweiter stelle eine geldmaschine ist. doch gerade deswegen sollte die industrie ein möglichst breites interesse an einer tiefen integration des internet’ in die gesellschaft haben; was viele firmen ja auch fördern und nutzen. doch kann auch gerade die entwicklung einer echten, gesellschafsübergreifenden netzkultur verhindern, dass das netz genutzt wird, den gläsernen bürger / die gläserne gesellschaft zu formen: durch einen (ritualisierter,) bewußten umgang, und ein daraus automatisch entstehendes höheres verständnis.
leider ist zur zeit wenig medienkritik in der gesellschaft zu finden, wie denn auch, wenn fast alle kritik der gesellschaft von den medien monopolisiert wird [siehe auch telekratie - weblog von prof. klaus gasteier] daher halte ich es für wichtig, dass die medien ein stück weit anarchisiert werden. dies ist im zusammenhang mit dem internet schon oft ausgerufen worden, doch noch nie ist das internet wirklich von breiten teilen der bevölkerung nicht nur als rezeptionsmedium, sondern auch als distributor eigener informationen genutzt worden. die seit einigen jahren langsam entstehende weblog-gemeinschaft beginnt diese regel zu brechen. im oben zitierten pdf wird von 300.000 weblogs weltweit gesprochen, unabhängig von der sicher einzeln zu beurteilenden qualität derselben, ist die zahl der öffentlich publizierenden einzelpersonen in der weltgeschichte (wahrscheinlich) noch nie so hoch gewesen.

