Archive for the 'polis' Category

December 30th, 2007 by Tim Bruysten in polis

In diesen Tagen hat eine neue Plattform das Licht der Web2.0-Welt erblickt. Trupoli möchte ein Bindeglied zwischen Wähler und Politiker sein: “Was also liegt näher, als Demokratie und “Mitmach-Netz” in einer Plattform zu vereinen? Auf einer Internetseite, auf der das Volk seinen gewählten Vertretern erstens auf die Finger schaut und zweitens klar bewerten kann, was es von deren Politik hält.”

Trupoli

Trupoli ermöglicht angemeldeten Mitgliedern Statements von Politikern zu erfassen und nach Glaubwürdigkeit, Zustimmung und Wichtigkeit zu bewerten (zu Trupoli siehe auch den Artikel von Tim Bonnemann). So entsteht eine Gesamtnote für jeden Politiker. Problematisch finde ich an diesem Ansatz, daß zwar wie bei ARD und ZDF eine (Un)Beliebheitsskala der realisierten deutschen Politik entsteht; die potentiellen Möglichkeiten aber nicht zum Ausdruck kommen.

Genau hier läge das wahre Potential, das durch das Internet entfacht werden könnte. Im Juli 2006 habe ich dazu schon einige Gedanken verloren. Die damals aufgestellte These, daß eine vorhandene Infrastruktur zwangsläufig ihr Potential als soziale Maschine erfüllen müßte, sieht 2007 im Kontext der Vorratsdatenspeicherung und anderer Zurückhaltung induzierender Entwicklungen (siehe zum Beispiel FBI plant weltweit größte biometrische Datenbank).

Abgeordnetenwatch

Die Seite Abgeordnetenwatch geht da schon einen Schritt weiter. Sie fordert zumindest Grundzüge eines Diskurses heraus und kann durch eine hohe Popularität zur Auseinandersetzung mit Themen zwingen. Diese Seite würde jedoch schon durch die blose Visualisierung einiger Tendenzen und Prozesse, durch die Darstellung von Zentren und Rändern der Aufmerksamkeit einen erheblichen Qualitätsaufschwung erfahren.

digg the candidates

An diesem Punkt ist digg.com mit seinem Datensicht-Lab schon einen Schritt weiter. Eine neue Funktion von digg - digg the candidates - listet zahlreiche Präsidentschaftskandidaten für die bevorstehenden Wahlen in den USA auf. Durch Bewertungs- und Kommentarfunktionen ist ebenfalls eine Abbildung von individuellen wie statistischen Meinungsbildern sowie in Ansätzen die Formulierung von Alternativen möglich.

Weniger institutionell waren in der Vergangenheit zahlreiche Wahlblogs, die Politiker, Bürger, Journalisten, … ein Stückweit aus ihren Rollen herausgebrochen und dem gemeinsamen Blogg, dem gemeinsamen Diskurs verpflichtet haben. Hier ist jedoch ein hohen Engagement der Beteiltigten und das Bedürfnis oder der Mut, sich öffentlich zu äußern notwendig.

Trotz aller Kritik und allen auf der Hand liegenden Möglichkeiten der Verbesserung. Die zarten Pflänzchen, die das Internet zielgerichtet als demokratische Plattform im Sinne konkreter Politik begreifen, sollten man fördern und eben auch fordern.

Denn gerade ob der Informationsflut ist es wichtig, Orientierung erlangen zu können, ohne die Informationsfreiheit einzuschränken (The Sky is the limit).

siehe auch:
- Öffentliches Wissen
- The Concept of Truthiness
- Citizen Think Tank (extern)
- Symbiotic Web
- debate europe
- Bilderkriege im (verkauften) Öffentlichen Raum
- Beschleunigung der Unschärfe
- A Bill of Rights for Users of the Social Web

November 21st, 2007 by Tim Bruysten in polis

Digg The Candidates

Die “social News Website” digg.com hat ein Microportal zur bevorstehenden US-Präsidentschaftswahl im Jahr 2008 gelauncht. Ich denke, daß dies ein gutes Zeichen dafür ist, daß die Politik im Internet als offiziellem Kommunikationsmedium nicht nur angekommen, sondern auch die Konsoludierungsphase im Grunde abgeschlossen ist. Die Relevanz von digg und die Vorbildfunktion, die US-Wahlkämpfe auf zahlreiche europäische Wahlkämpfe zu haben scheinen, dürfte Vergleichbares auch hierzulande mit sich bringen.

Digg schreibt dazu: “You can now check out the 2008 presidential candidates profiles on Digg! Add your favorite candidates as a friend to show support, and to see all their Digging activity in your friends’ activity feed. Many of them will be Digging, commenting and even submitting content.”
Schon zur letzten Bundestagswahl hatten wir ja hier ein “Wahlblog“, das besonders auch dadurch interessant wurde, daß dort Blogger, Journalisten und MdBs gemeinsam zum Thema schrieben.

Ob all dies tatsächlich zu mehr Transparenz führt, oder ob nicht die Wirren des Webs tausend gute Möglicheiten für Marketingexperten und angewandte Chomskyaner bieten, lassen wir hier mal offen…

siehe auch:
- Wahlblogs

June 17th, 2006 by Tim Bruysten in polis

Im “Interesse noch größerer Offenheit und Transparenz” sollen in Zukunft die öffentlichen Sitzungen des EU-Ministerates Live im Internet übertragen werden. Ich bin aber nicht sicher, ob das wirklich zu mehr Offenheit und Transparenz führt, oder ob es nur danach aussieht und ob nicht der Einwand Enlands, daß dann einige Dinge schlicht eben nicht in diesem Gremium, sondern andernorts besprochen werden, richtig ist.

siehe auch:
- heute: EU künftig live im Internet

May 11th, 2006 by Tim Bruysten in polis

“Mit Hilfe des Internet kann der politische Diskurs zwischen Wählern und Gewählten künftig auch abseits des Wahlkampfes geführt werden. sie-schreiben-dir.de richtet sich dabei in erster Linie an Wähler, die über die Ideen und Aktivitäten ihrer Wahlkreis-Abgeordneten regelmäßig informiert werden wollen. Für die Abgeordneten bietet sich die Gelegenheit, einen direkten Kontakt zu politisch Interessierten Menschen in ihrem Wahlkreis aufzubauen und mit ihnen politische Themen in einer sachlichen Form zu diskutieren.”

Ein durchaus interessantes Projekt. Ob es aber bei einem einseitigen Diskurs, oder zu einem Dialog oder gar “Multilog” kommen kann, bleibt die Frage, die über die Qualität des Projektes im gelebten Alltag entscheidet.

November 18th, 2005 by Tim Bruysten in polis

“The term ambient findability describes a world at the crossroads of ubiquitous computing and the internet, in which we can find anyone or anything from anywhere at any time. It’s not necessarily a goal, and we’ll never achieve perfect findability, but we’re surely headed in the right direction.”

A very thrilling article. A bit of speculation and utopian. But not so much as we may think.

“Soon, I’ll be able to rely on a mashup between Google Maps and my personal blacklist to avoid running into undesirables in restaurants.”

This funny notice isnt’ that funny, if you’re thinking in terms of malpracticed power…

April 6th, 2005 by Tim Bruysten in education, polis, c-learning / e-learning

“Der Aufbau einer international anerkannten Spitzenforschung in Deutschland ist in erreichbare Nähe gerückt. 15 Bundesländer und Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) haben sich in der Bund-Länder-Kommission (BLK) auf einen Kompromiss zur Förderung herausragender Universitäten geeinigt. Nur Hessen lehnte den mühsam ausgehandelten Vorschlag ab.”

Zwar finde ich diesen Kompromiss, soweit er erkennbar ist, besser, als die vorhergehend in der Diskussion befindlichen Vorschläge; trotzdem ist diese Methodik lau. Wer einen Spitzenstandort in Bildung und Forschung will, sollte die treibende Kraft selbiger, also die Studenten, nicht durch (hohe) Gebühren von den Universitäten vertreiben. Gleichzeitig gilt es, ein gesellschaftliches Pro-Bildungs-Klima zu etablieren… Dazu ist aber deutlich mehr erforderlich als Geld.

Vor allem sollten wir uns diesen Unsinn sparen: Rürup für kostenlose Kindergärten statt Gratis-Studium

siehe auch:
- Telepolis: ‘Keine Spitzenuniversität…
- Conflict in design education
- Eine Investition in Wissen bringt immer noch die besten Zinsen
- Der Traum von der Gesellschaft der Hochgebildeten
- campus innovation
- Schröder fordert “neue Kultur der Wissenschaft”
- Ein Bildungsnotstand jagt den nächsten
- Grundlage für vernetztes Wissensmanagement wird geschaffen
- Wikis, Blogs und Wissensmanagement

February 14th, 2005 by Tim Bruysten in the social x, polis, [geschichte der zukunft]

Wolfgang Huber, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD), schreibt in der heute.de-Serie “Vision Deutschland“.

“Die Veränderungen in unserem Land beschäftigen viele Menschen - und wecken viele Sorgen. In den sozialen Sicherungssystemen werden Leistungen abgebaut, die Schere zwischen Arm und Reich geht weiter auseinander und die Kindvergessenheit in unserem Land wächst. Doch was ist Ursache, was Wirkung? Und was sind unsere Handlungsoptionen und unsere Visionen?”

Man muß inhaltlich nicht an allen Punkten der gleichen Meinung sein, aber generell ist es schon richtig und wichtig, dass zur Lösung größerer Probleme, viele gesellschaftliche Gruppen zusammenarbeiten müssen.

Siehe auch:
- Der Traum von der Gesellschaft der Hochgebildeten
- Wettbewerb zum demografischen Wandel
- Rürup für kostenlose Kindergärten statt Gratis-Studium

November 28th, 2004 by Tim Bruysten in weblog[s], telekratie, polis, patente

Ein neues Weblog der ukrainischen Opposition zur politisch äußerst spannenden und kritischen Lage in der Ukraine. Da ist nicht nur die nicht nachzuvollziehende Wahl, sondern auch die merkwürdige Verfärbung Juschtschenkos. Es ist aber schon mal ein gutes Zeichen, dass es die Möglichkeit, zu einem solchen Weblog gibt. Das war nicht immer so und ist auch noch nicht überall so auf der Welt.

Hier sieht man einige der unschätzbaren Vorteile eines freien Internet, eines offenen Meinungsaustausches und der Möglichkeit zur freien Meinungsäußerung im Allgemeinen und der freien Wissensvermittlung im Speziellen. Nur damit das nicht in Vergessenheit gerät:

- “Die Softwarepatent-Richtlinie ist trügerisch, gefährlich und demokratisch nicht legitimiert”
- Mittelstandsvereinigungen warnen Bundeskanzler vor Softwarepatenten
- Ein Grund [mehr], Software-Patente abzulehnen

November 2nd, 2004 by Tim Bruysten in polis

“Das Internet fördert die Wahrnehmung unterschiedlicher politischer Positionen. Das geht aus einer aktuellen Umfrage des Pew Internet & American Life Project hervor, die im Juli 2004 unter 1510 US-Amerikanern über 18 Jahren durchgeführt wurde. Die Studienautoren sehen dadurch Befürchtungen widerlegt, wonach das Internet zu einer selektiven Information führe, die Argumente für eigene Sichtweisen bevorzugt und andere Positionen ausblendet. Die Nutzung des Internet erhöhe hingegen die Kenntnisse anderer politischer Positionen. Das Web werde zunehmend als zusätzliche Informationsquelle genutzt. Hauptlieferant politischer Informationen ist nach wie vor unbestritten das Fernsehen.”

October 8th, 2004 by Tim Bruysten in eGovernment, polis

“Der Bayerische Landtag will künftig Plenardebatten im Internet übertragen. Voraussichtlicher Start ist nach dem Umbau des Plenarsaales im Winter kommenden Jahres. “Ich kann mir vorstellen, dass das Parlament dadurch interessanter wird”, sagte Landtagspräsident Alois Glück (CSU) heute in München. Die Einzelheiten müssten jedoch noch mit den Fraktionen abgesprochen werden.”