Archive for the 'kommunikation' Category

April 11th, 2010 by Tim Bruysten in kommunikation, [geschichte der zukunft]

Nach den Diskussionen und Diskursen die es hier und dort nach der 2. Session der ästhetischen Gesellschaft gegeben hat, sehe ich mich veranlasst, einige Gedanken noch etwas weiter zu fassen. Denn die Frage, die auch dem Artikel zum “Fall der Medien” zu Grunde liegt, ist vorrangig keine politische, sondern eine systemische.

Das “philosophische Hamsterrad”, welches den ewigen Kreislauf der öffentlichen Diskurse zu prägen pflegt, scheint mir davon abhängig zu sein, wie schnell eine Gesellschaft den Fortschritt umarmen – Neues assimilieren kann: Sollte gesellschaftliches Lernen, ebenso wie das individuelle von der Wiederholung, der Übung abhängig sein, könnte der Lerneffekt des kollektiven Bewusstseins (oder “des Systems”?) in unmittelbarer Abhängigkeit von den Zyklen der medialen Präsentation stehen – oder eben davon, wie stark die “Kybernese” der Gesellschaft fortgeschritten ist. (Zur Bemessung des Fortschritts habe ich vor Kurzem im Wavetank gegrübelt: Vom kulturellen Wirkungsquantum)

In diesem Kontext ist der Wertschöpfungsprozess der Medien eventuell aus Sicht der Gesellschaft völlig anders zu formulieren und zu fordern als bisher: Natürlich sind Medien Informationstransmitter, intellektuelle Reflektoren, Arbeitgeber und erwirtschaften Gewinne für die Eigentümer. Doch welcher dieser Spielplätze ist für die Gesellschaft von größerer Bedeutung; die Expansion des pekuniären Gewinnes oder Entertainment-Erfolges durch maximale Oberflächenvergrößerung der Informationen? Also die Schaffung von spatialen und temporalen Redundanzen? Oder sollten wir den Nutzen von Medien nicht lieber zu messen versuchen, wie gut sie zu einer Verdichtung des Wissens beitragen? Ihre Wertschöpfung hinsichtlich der Beschleunigung von Lernprozessen? Auf gesellschaftlicher wie auch auf individueller Ebene. (Zur Beschleunigung durch Verdichtung gibt es umfassendere Reflexion in der 5. Session).

Die Sprengkraft des Internets liegt vielleicht darin, nicht nur bei der Oberflächenvergrößerung effektiver als zahlreiche klassische Medienproduktionsansätze, sondern auch ein besseres gesellschaftlich-biographisches Gedächtnis zu sein: Die Qualität des Selbst-Bewusstseins einer Gesellschaft verbessert durch frei verfügbare Kontextmaschinen, basierend auf schier unendlichen öffentlichen Gedächtnissen? Prozesse der/zur Reidentifikation.

Also: “Wider das partielle Vergessen” – Meme vollständiger, lebendiger und vielfältiger in das öffentliche Bewusstsein zu assimilieren (und für das Individuum verfügbar zu machen) und damit die Notwendigkeit der Wiederholungen von Diskursen zu minimieren. Es muss wohl kaum noch gesagt werden, dass damit nicht nur Technologien, sondern vor allem auch Kultur- und Lerntechniken gemeint sind. Dem Vergessen an sich soll damit nicht seine Qualität und sein Nutzen abgesprochen werden, dennoch vermute ich im Zeitalter der “Cloud” und der Vernetzung weitaus mehr Potential in den Utopien, die aus der Mensch-Maschine-Arbeitsteilung erwachsen können, als gemeinhin öffentlich diskutiert wird.

January 5th, 2008 by Tim Bruysten in kommunikation

Bei Konstantin gibt es eine lesenswerte und zu bedenkende Debatte zu Amazons Kindle:

Mir gefällt eine sache an Kindle nicht. wo bleibt hier das read-write web? ich kann ja sogar an einem analogen buch was unterstreichen, dazu schreiben, eselsohren machen. im kern kann ich also bens vernichtende meinung nachvollziehen. und ich hoffe dass leute nicht die neue screen-technologie, den simplicity-ansatz und das RO vs. RW in einen topf werfen. wo bleibt also das “blog this”?

weiterlesen in Kontantins Blog.

July 25th, 2006 by Tim Bruysten in kommunikation

Unter dem Titel “Mobiltelefonie revolutioniert das Liebesleben junger Menschen” schreibt heise:

“Vor allem Jugendliche scheuen sich nicht, via SMS zu flirten oder sich zu verabreden. Laut der heute vom Gerätehändler The Carphone Warehouse und der London School of Economics vorgestellten Studie (PDF-Datei) The Mobile Life Report 2006 haben mehr als die Hälfte der 18- bis 24-Jährigen angegeben, bereits einmal eine Einladung zu einem Rendezvous per SMS erhalten oder verschickt zu haben. Die Forscher schließen daraus, dass durch Mobiltelefonie das Liebesleben der jungen Menschen revolutioniert werde.”

Wer verwundert guckt und glaubt, dies sei ein singulärer Vorgang, der sich nur auf die aktuellen Medien und Technologien bezieht, irrt. Soziale Spielfelder und technische Innovation sind seit Menschengedenken unzertrennbar. Technische Innovation hat den Menschen überhaupt erst die Zeit gegeben, Spiel und Kultur zu entwickeln.

Schon immer ist die Menschheit Symbiosen mit der von ihr entwickelten Technologie eingegangen. Die erste Symbiose nach dieser Denkweise mag die Nutzbarmachung und Kontrolle des Feuers gewesen sein. Augenreiben, weil sich die Menschheit auf vernetzte Massenmedien stürzt? Das sie selbige in ihren Alltag integriert; vielleicht sogar assimiliert? Das sie neue Spielarten im Umgang mit den Medien erfindet? Das Infrastruktur und Benutzung zu einem emergenten System werden können?

Der Begriff des Cyborgs wurde geschaffen und eine zukünftige Symbiosestufe zwischen Mensch und Technologie zu beschreiben. In der Gegenwart verankert würde man nur schwer von sich selbst als einem Cyborg sprechen, da Abhängigkeit von – und Fremdsteuerung durch Technologie implizit mit ausgedrückt wird. Betrachten wir uns selbst aber mit den Augen eines Menschen von 1900: Wir haben nicht nur den elektrischen Strom, die Einbauküche, das Auto, die Microwelle, Telefonie, das Internet als feste, für uns praktisch nicht wegdenkbare Bestandteile unseres Lebens akzeptiert; sondern wir benutzen sie mit einer Selbstverständichkeit, als ob sie schon immer dagewesen wären.

Als Designer ist es für mich besonders interessant, herauszufinden, welche Kriterien erfüllt sein müssen, damit eine Technologie, oder eine spezielle Anwendung einer Technologie zu einem potentiellen Kandidaten für eine neue Symbiose wird. Ist Google bereits soweit? Der iPod?

Bevor nun zu viel Euphorie aufkommt, Symbiosen können aufgegeben werden, sie können sich wandeln, sie können abstrahiert werden. So würde ich dem heutigen Menschen keine Symbiose mit dem Feuer zuschreiben. Er hat abstrakte Formen des Feuers entwickelt, die den Zweck besser erfüllen können; Herdplatten, zum Beispiel.

In einem Medium, welches täglich von Milliarden Menschen gleichzeitig genutzt wird, ist die Haltbarkeit von Standards eine äußerst fragwürdige Angelegenheit. Denn dies ist wirklich neu, die Quantität der Nutzer, die Verbreitungsgeschwindigkeit neuer Informationen und die Streu- und Reflektionsweite des Diskurses.

siehe auch:
- Symbiotic Web
- Hirn-Computer-Schnittstelle

Unter dem Titel “Sozialwissenschaftliche Ansätze und Perspektiven der Weblogforschung” gibt es unter der URL kommunikation-gesellschaft.de einige Artikel zum Thema. Die Überschriften klingen erstmal nach “lesenwert”, weiter bin ich auch noch nicht…

November 7th, 2005 by Tim Bruysten in kommunikation, [geschichte der zukunft]

“Die Absprache zur Brandstiftung erfolgt per SMS, das Gejohle findet auf Dutzenden Blogs seinen Widerhall: Die jugendlichen Randalierer, die nachts die Pariser Vorstädte unsicher machen, berichten danach auf Weblogs über ihre Taten.”

mobilelandscape

“several real-time maps titled ‘Digital Derive’ that visualize the volume & geographic source of cell phone usage in Graz, showing a visual conceptual layer in the use & experience of the city. thousands of mobile phones are simultaneously ‘pinged’ to establish their precise location in space at a given moment in time.”

In mehrerer Hinsicht ist dieses Projekt sehr spannend. Nicht nur weil sich durch Überlagerung mit verschiedenen Karten oder durch das Hinzufügen von Interaktionsdaten der “getrackten” Telefonbesitzer äußerst interessante Dinge über Städtebau, urbane Räume und soziologische Netze lernen lassen, sondern auch, weil es die Transparenz unserer Gesellschaft offenbart.

Es wird Zeit, daß mehr solcher Projekte in die Öffentlichkeit dringen, daß die Gesellschaft endlich diskutiert ob und wenn ja, wie weit sie sich überwachen lassen möchte.

mehr Informationen gibt es beim MIT.

May 1st, 2005 by Tim Bruysten in kommunikation

heute.de entdeckt IM. Doch leider ist der Artikel nicht in der gewohnten Qualität, die dort von Autoren wie zum Beispiel Mario Sixtus gepflegt wird. Trotz einiger inhaltlicher Irrtümer wird eines aber deutlich, die Zukunft der Kommunikation ist vielfältig. Trotzdem, es werden sich gerade die Systeme durchsetzen, die zueinander transparent sind.

April 4th, 2005 by Tim Bruysten in de:sign, interFACE, kommunikation

“The theories presented here are related to communication. Students can use these theories as a rich source for a better understanding of the theoretical fieldwork of communication. Choosing a theory for an assignment or report is made easier, since you are able to ‘browse’ through the different theories. All theories which are selected are used in the courses of Communication Studies. Stay critical when you use a theory, because theories are subjectively measured. A lot of theories are mentioned below, make your own judgment about which theories are most helpful and think why they are helpful.”

March 28th, 2005 by Tim Bruysten in interFACE, tekk, kommunikation

“Der Tag auf den ein jeder Star Trek-Fan gewartet hat kommt näher: Auf der CeBIT hat Siemens ein kleinen “Kommunikator” vorgestellt. Nur am Design müssen die Ingenieure noch feilen:”

Kann ein Audio-Menu so gut funktionieren, wie ein haptisch-visuelles? Auf jeden Fall eine Herausforderung für einen Designer… Doch noch ganz andere Aspekte spielen bei diesem Miniaturisierungsgrad eine Rolle; so wird man sicher auch einen Markterfolg mit einem Gerät haben, welches Handy-Signale in einem gewissen Umkreis blockt… Es ist zu einfach, mit solch einem Gerät, jemanden abzuhören.

siehe auch:
- Papierdünne Kamera

January 28th, 2005 by Tim Bruysten in patente, kommunikation

Der EU-Streit um Software-Patente geht in eine weiter Runde. Hoffentlich nimmt das alles ein gutes Ende! Der Innovationskraft dieser Region wäre es zu wünschen!

“Drei Schritte vor, zwei zurück und einen zur Seite: Der Hickhack innerhalb der EU um die Patentierbarkeit “computerimplementierter Erfindungen” steuert auf einen neuen Höhepunkt zu. Die Befürworter eines kompletten Neustarts des mittlerweile fast drei Jahre dauernden Verfahrens schöpfen Hoffnung: Polnische Diplomaten haben trickreich den Weg dafür frei gemacht.”

Interessant ist aber auch:
Der obige Artikel auf heute.de verweist auf eine Website thankpoland.info, die in verschiedenen Sprachen, und eben auch auf ESPERANTO Polen für seine kritische und vielleicht rettende Rolle dankt.

siehe auch:
- Wildes Durcheinander rund um Softwarepatente in Brüssel
- IBM gibt 500 Patente für Software-Entwickler frei
- Software-Patente: EU-Kommission soll Gesetzgebung neu starten
- “Die Softwarepatent-Richtlinie ist trügerisch, gefährlich und demokratisch nicht legitimiert”
- Ein Grund [mehr], Software-Patente abzulehnen