Diverse Wahlblogs schießen wie Pilze aus dem Boden, mit ganz unterschiedlichen Ansätzen und Autorenkreisen. Man könnte munkeln, es wäre ein Hype, eine bald wieder platzende Blase - doch legt die vertikale wie horizontale Verteilung innerhalb der Medienlandschaft zwischen Privatpersonen, Interessengruppen, Parteien und Sendeanstalten einen anderen Schluß nah.
Kulturelle Akzeptanz
Die Philosophie, die einem Weblog zu Grunde liegt, entspricht zur Zeit am ehesten einem Kulturverständnis, welches aus der Nutzung des Internet erwächst. Der Möglichkeit zur Beteiligung von Jedermann erfolgt der demokratische Anspruch, daß diese auch zur Verfügung gestellt wird.
Gleichzeitig eint das Label “Weblog” die sich damit benennenden institutionalisierten Websites mit auch dem kleinsten privaten Ansatz und schafft so nicht nur eine vertikale Marktverteilung, sondern auch die Grundlage für gegenseitige Akzeptanz.
Technische Akzeptanz
Doch nicht nur der emotionale, mit dem Label “Weblog” versehene Aspekt könnte Weblogs langfristig erfolgreich machen… Die ihnen zugrunde liegende Technik einer klaren Gliederung, XML-Austauschformaten, Kommentaren, Trackbacks, Pingbacks usw. verhelfen ihnen ebenfalls zu einer hohen Akzeptanz. Die Möglichkeiten zur Rezeption aber auch zur Interaktion sind weit gestreut, nicht an eine bestimmte Software eines bestimmten Herstellers gebunden und offen zugänglich.
Sie sind nicht so unstrukturiert wie Foren und Personen, die nicht selbst publizieren möchten können trotzdem leicht einen roten Faden erkennen. Mittels Trackbacks und Pingbacks kann, wenn sie denn ausreichend genutzt würden, ein Netzerk zwischen einzelnen Weblogs entstehen und Kommentare erlauben einen öffentlichen Diskurs bis hin zur Diskussion.
Politik und Gesellschaft
Das emotionale Themen wie der aktuelle Wahlkampf die Aufmerksamkeit besonders auf sich ziehen und nun Weblogs aller Arten im Zusammenhang mit der bevorstehenden Bundestagswahl erscheinen, dürfte kaum verwundern. Aber gerade hier offenbart sich ein neuer Ansatz, eine neue Möglichkeit.
- “Klassische” Politiker können mittels dieser Technologie authentisch von sich berichten und für sich werben, gleichzeitig unter einem akzeptierten Label und auch einer quasi-standardisierten Technik.
- “modernere” Politiker können hier den Diskurs und eine beidseitige Meinungsbildung suchen
- “klassische” Wähler können sich auf einfache Art und Weise und (hoffentlich) fernab von der geschliffenen Zunge der Wahlprogramme ein Bild von den zur Wahl stehenden machen
- “moderne” Wähler können selbst aktiv in den Prozess der öffentlichen Meinungsbildung eingreifen
Und, last but not least, könnte diese Form der “basisdemokratischen Medialisierungs- und Beteiligungskultur” eine neue Grundlage für einen neuen Legitimationsansatz von Politik in diesem Jahrhundert werden. Nicht als “Verdienst” von “Weblogs”, sondern allein aus der Tendenz, mit der auch ihnen zugrunde liegenden Technik eine “lean-information-society” zu etablieren…
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