Archive for the '[geschichte der zukunft]' Category

June 21st, 2010 by Tim Bruysten in Uncategorized, [geschichte der zukunft]

Im Wavetank habe ich mir ein paar Gedanken zum real existierenden Netzwerk-ismus gemacht. Mit dem vorläufigen Ergebnis, dass das Netzwerken selbst sein Machtpotential in einer durchvernetzten Gesellschaft verlieren wird und abstraktere Methoden an Bedeutung gewinnen werden.

April 11th, 2010 by Tim Bruysten in kommunikation, [geschichte der zukunft]

Nach den Diskussionen und Diskursen die es hier und dort nach der 2. Session der ästhetischen Gesellschaft gegeben hat, sehe ich mich veranlasst, einige Gedanken noch etwas weiter zu fassen. Denn die Frage, die auch dem Artikel zum “Fall der Medien” zu Grunde liegt, ist vorrangig keine politische, sondern eine systemische.

Das “philosophische Hamsterrad”, welches den ewigen Kreislauf der öffentlichen Diskurse zu prägen pflegt, scheint mir davon abhängig zu sein, wie schnell eine Gesellschaft den Fortschritt umarmen – Neues assimilieren kann: Sollte gesellschaftliches Lernen, ebenso wie das individuelle von der Wiederholung, der Übung abhängig sein, könnte der Lerneffekt des kollektiven Bewusstseins (oder “des Systems”?) in unmittelbarer Abhängigkeit von den Zyklen der medialen Präsentation stehen – oder eben davon, wie stark die “Kybernese” der Gesellschaft fortgeschritten ist. (Zur Bemessung des Fortschritts habe ich vor Kurzem im Wavetank gegrübelt: Vom kulturellen Wirkungsquantum)

In diesem Kontext ist der Wertschöpfungsprozess der Medien eventuell aus Sicht der Gesellschaft völlig anders zu formulieren und zu fordern als bisher: Natürlich sind Medien Informationstransmitter, intellektuelle Reflektoren, Arbeitgeber und erwirtschaften Gewinne für die Eigentümer. Doch welcher dieser Spielplätze ist für die Gesellschaft von größerer Bedeutung; die Expansion des pekuniären Gewinnes oder Entertainment-Erfolges durch maximale Oberflächenvergrößerung der Informationen? Also die Schaffung von spatialen und temporalen Redundanzen? Oder sollten wir den Nutzen von Medien nicht lieber zu messen versuchen, wie gut sie zu einer Verdichtung des Wissens beitragen? Ihre Wertschöpfung hinsichtlich der Beschleunigung von Lernprozessen? Auf gesellschaftlicher wie auch auf individueller Ebene. (Zur Beschleunigung durch Verdichtung gibt es umfassendere Reflexion in der 5. Session).

Die Sprengkraft des Internets liegt vielleicht darin, nicht nur bei der Oberflächenvergrößerung effektiver als zahlreiche klassische Medienproduktionsansätze, sondern auch ein besseres gesellschaftlich-biographisches Gedächtnis zu sein: Die Qualität des Selbst-Bewusstseins einer Gesellschaft verbessert durch frei verfügbare Kontextmaschinen, basierend auf schier unendlichen öffentlichen Gedächtnissen? Prozesse der/zur Reidentifikation.

Also: “Wider das partielle Vergessen” – Meme vollständiger, lebendiger und vielfältiger in das öffentliche Bewusstsein zu assimilieren (und für das Individuum verfügbar zu machen) und damit die Notwendigkeit der Wiederholungen von Diskursen zu minimieren. Es muss wohl kaum noch gesagt werden, dass damit nicht nur Technologien, sondern vor allem auch Kultur- und Lerntechniken gemeint sind. Dem Vergessen an sich soll damit nicht seine Qualität und sein Nutzen abgesprochen werden, dennoch vermute ich im Zeitalter der “Cloud” und der Vernetzung weitaus mehr Potential in den Utopien, die aus der Mensch-Maschine-Arbeitsteilung erwachsen können, als gemeinhin öffentlich diskutiert wird.

April 4th, 2010 by Tim Bruysten in [geschichte der zukunft]

Was ist eigentlich genau “Beschleunigung”. Im Wavetank, hier in meinem Blog und in den Sessions der Ästhetischen Gesellschaft benutzen wir diesen Begriff immer wieder und auch umgangsprachlich ist überall davon zu hören, dass “alles ja immer schneller geht”.

Einen ersten Definitionsversuch zur Beschleunigung an sich habe ich im Wavetank unternommen, nicht uninspiriert durch den Inhalt der 5. Session der ästhetischen Gesellschaft.

Dort mäandern wir um das Thema herum und greifen zwei Facetten auf: Symbolverdichtung und abstraktes Geld.


Mehr Gedanken dazu im Wavetank.

February 7th, 2010 by Tim Bruysten in Uncategorized, [geschichte der zukunft]

Der zur Zeit weit verbreitete Versuch, die bestehenden Monetarisierungsprozesse als die Einzigen darzustellen, erscheint unter aufgeklärten Personen immer mehr als eine Reminiszenz an vergangene Jahrzehnte – früher war alles besser. Das ist zwar weder konstruktiv noch hilft es irgendwie weiter ;-), aber es ist eine zeitlang entschuldbar.

Sobald die Argumentation jedoch von der anderen Seite ausgeht. Und jeder alternative Ansatz als antikapitalistisch oder unrealistisch dargestellt wird, muss man, um des Fortschritts Willen, die Propheten dieser Schule entlarven. Die Erhöhung der Ektropie gesellschaftlicher Strukturen ist ein natürlicher Prozess; Protagonisten, die hierin ebenfalls eine höhere Form der Unwahrscheinlichkeit annehmen können, werden selbstverständlich auch weiterhin im Wettbewerb bestehen…

Herzlich willkommen zur vierten Session der ästhetischen Gesellschaft, die mit einem Diskurs zu den Phänomenen einer OpenAccess-Gesellschaft beginnt.


[v.l.n.r. Siggi, Dr. J., Tim (ich)]
Mehr Infos gibt es im Wavetank

February 2nd, 2010 by Tim Bruysten in [geschichte der zukunft]

Die dritte Session der ästhetischen Gesellschaft beginnt mit mitten in der Debtatte über meinen Versuch im Wavetank und endet mit verschiedenen Thesen zu einer möglichen Gesellschaftsvariante, die sich ein einem gewollten, beständigen Fluss befindet…


(v.l.n.r.: Dr. J., Siggi Becker, ich)

January 19th, 2010 by Tim Bruysten in [geschichte der zukunft]


Weitere Informationen im Wavetank.

January 5th, 2010 by Tim Bruysten in innovation, [geschichte der zukunft]

Nebenan, im Wavetank, habe ich einen Artikel zu den Auswirkungen der exorbitanten Zunahme von Software-Bots geschrieben.

June 5th, 2009 by Tim Bruysten in Uncategorized, [geschichte der zukunft]

Manchmal geht es ruckartig. Ein Ereignis teilt die Geschichte in ein Vorher und ein Nachher. Zuletzt geschehen vor rund einer Woche. Zumindest wenn man den Blick auf die Evolution sozialer Systeme richtet. Geht man von dem Axiom aus, dass das realisierbare wie das realisierte Kommunikationspotential grundlegende Qualitäten von Gesellschaften jeder Größe sind, so ist die Vernetzung von Individuen innerhalb der Gesellschaften, wie auch die Vernetzung zwischen Gesellschaften eine der Kennzahlen für ihren Entwicklungsstand.

Solange Vernetzung jedoch ein rein technischer, infrastruktureller Begriff ist, liegt der Schwerpunkt eher auf der abstrakten Idee des realisierbaren Kommunikationspotentials. Dieses hat im letzten Jahrhundert ausgereicht, um einige Visionäre (Beispielsweise: Ted Neslon [Xanadu], Douglas Engelbart [NLS], Apples Knowledge Navigator und viele mehr…) zu wirklich atemberaubenden Ideen zu verhelfen.

Google Wave
Google hat es nun mit Wave geschafft, diese Visionen in die Gegenwart zu transformieren und in einem konkreten Produkt zu verankern. Wave steht auf den geistigen Schultern der Pioniere der digitalen Kommunikation aus dem letzten Jahrhundert. Es ist die logische Konvergenz von Wikis, Blogs, Mikroblogs, Chat, Instant-Messaging, E-Mail, Dokument-Management, Versions-Management, Knowledge-Management, kollaborativem asynchronen und synchronen Arbeiten und viel mehr. Eine erste Vision, wie dieses Potential in Unternehmen integriert werden kann, habe ich hier gepostet.

Doch wie jede Erfindung, ist auch Google Wave nur ein Anfang. Wie das iPhone vor zwei Jahren das mobile Web revolutionierte und den Milliardenmarkt der mobile Applications erfand, so war es im Endeffekt vor Allem eins: Ein Beschleuniger für die Anderen.

Prä-Wave
Vor einigen Wochen interviewte mich das Handelsblatt. Hätte ich in der Post-Wave Zeit dort was anderes erzählt? Teilweise schon. Wie schon erwähnt, ist Google Wave zwar in seiner Dichte, nicht jedoch in seinem Ideenspektrum neu. Doch die Manifestierung dieser Ideen, verändert die konkreten Bedürfnisswelten, vor Allem die meinen. Brauchen wir das semantische Web im Post-Wave-Zeitalter? Ja! Eher mehr als vorher. Aber: Es wird zudem was es sein soll: Ein unsichtbarer Helfer.

Schöpfungshöhen von Wellen
Der wichtige Moment jetzt ist: Eine Wave ist viel mehr als eine E-Mail, die eher eine Infrastruktur darstellt. Wenn das Web geronnene Soziologie ist, dann kann eine Wave das Wissen eine Gruppe manifestieren. Was im Endwurf von Google noch fehlt, ist eine Anzeige für die Schöpfungshöhe einer Wave. Ab wann kann man eine Wave als Patent anmelden? Ab wann ist die Gruppe, die via Wave kollaboriert eine GbR? Diese Fragen und viele weitere Fragen haben wir (Siggi Becker, Alexander Benker, Peer Lambertz und ich [richtwert, XING]) vor ein paar Tagen in meinem Office diskutiert…

… what’s next?
Thema: Beschleunigung von Kollaboration und Kooperation. Was genau, verrate ich noch nicht :-)

December 25th, 2008 by Tim Bruysten in [geschichte der zukunft]

Über “2008″ wird zur Zeit viel geschrieben. Dabei wurden Tode und Wiederauferstehungen gleichermaßen verkündet. Und so wie es vor einige Jahren hieß, “das Web ist tot, es lebe das Web” durchläuft auch die Zweinulligkeit gerade eine Reifeprüfung. Eine Reifeprüfung, die schlicht dazu führen wird, daß es sich selbst nicht mehr gar so ernst nimmt, dieses Web2.0.

Aber mal ernsthaft. Es liegt wohl auf der Hand, daß keiner die Innovationen und den Ideenschub der 2.0 Ära missen will. [1, 2, 3] Keiner will mehr öde formularbasierte, unfreundliche, pseudodynamische, unkommunikative und anti-kollaborative Websites akzeptieren. Und das ist gut so. Doch wollten wir unseren Fortentwicklungsdrang, unsere weitere kommunikative Evolution als Menschheit darauf beschränken? Mancherorts scheint es so. “Hey schaut her… nun gibt es uns. Wozu noch Evolution?”. So klingt es häufig zwischen den Zeilen verbaler Stammtische.

Die sozialen Netze als neue Dynamik von sozialer, politischer und wirtschaftlicher Realität… [4, 5, 6] das wurde immer als DIE Innovation des Web2.0 gefeiert. Und ja, ich stehe dazu und voll da drauf. Ich mag sie fast alle und finde einige für mich, fürs Business wie auch für eine moderne Gesellschaft, unverzichtbar. Nicht zwangsläufig als sie selbst, aber den Dienst, den sie anbieten. Diese sozialen Plattformen. Und mobil werden sie auch gerade.

Doch eigentlich war dies, was von vielen als das größte Wunder des Webs gepriesen wird, das am ehesten auf der Hand liegende. Was würde wohl ein extraterrestrischer Beobachter annehmen, was eine Lebensform auf dem Planeten Erde mit neuen Technologien macht? Eine Lebensform, die ihren evolutionären Erfolg vorallem drei Dingen verdankt: Ihrem “Herdentrieb” (neudeutsch “social collaboration”) und ihrer Musterlernfähigkeit und ihrer Neugierde.

Nun, wahrscheinlich würde dieser Beobachter vermuten, daß jene Lebensform versuchen wird, eine neue Technologie zur Vereinfachung, Konsolidierung und Erweiterung dieser erfolgreichen Verhaltensweisen zu nutzen.

Next.

Was für Technologien werden als nächstes gemeinsam mit der aktuellen Gesellschaft zu einer neuen konvergieren [7]? Eine nicht unbedingt in dieser Form, aber trotzdem häufig gestellte Frage. Viel zu häufig auf dem Level von Trendforschung. Für das aktuelle Business in einigen Teilbereichen sicherlich interessant, spannend und manchmal sogar notwendig. Doch Trends sind Symptome. Viel ergiebiger ist es, nach dem übergeordneten Prozess, der Meta-Ebene zu suchen. Warum machen Menschen *etwas*? Als einzelne Individuen, als vertraute Gruppe oder als Gesellschaft?

Und mehr… Was sind die Brüche in der Meta-Ebene? Was sind die Triebfedern hinter den beschleunigenden Momenten der Geschichte? Kann man diese selbst nutzbar – urbar machen? Bedarf es der *gegebenen* Langeweile als Nährboden für Revolutionen? Wie kann man “disruptive Beschleunigungen” oder gar Sprünge heraufbeschwören? Wird Evolution gestaltbar / inszenierbar? [21, 22, 23, 24, …]

Was das mit Design zu tun hat… oder umgekehrt… warum Design hier eine wesentliche Rolle spielen muß, darüber habe ich in diesem Jahr an verschiedenen Stellen nachgedacht [8, 9, 10, 11, …]. Solange Zukunft aber etwas nicht zwangsläufig kausales, sondern etwas gestaltbares bleibt - oder zumindest so verstanden wird, ist die Antwort in der Frage implizit enthalten. Obwohl eigentlich trivial, die Differenzierung zur “Realpolitik” soll hier nicht unerwähnt bleiben. Es ist schlicht ein methodischer Unterschied. Während die Realpolitik nach dem zwangsläufig sinnvollen nächsten Schritt fragt, ein Spielball von als Naturgesetzen verstandenen Kausalitäten ist, darf – nein muß ein designerischer Ansatz diese Ebene verlassen.

Ein designerischer Ansatz fragt nicht nach dem wie. Wie man aus einem gegeben Zustand in einem gegebenen System den nächsten [sinnvollen] Zustand erreichen kann. Ein designerischer Ansatz fragt eben nicht danach, die nächste Mehrheit aus dem Kaffesatz des aktuellen Zustandes herauszuorakeln. Ein designerischer Ansatz sucht nach einem globalen Wozu. Danach steht die Frage nach einem sinnvollen System, mit dem man dieses Wozu erreichbar machen kann. Und schließlich die Detailassemblierung… der Prozess… das Change Management, die Ausgestaltung, die Integration [12, 13, 14, …].

Mehr Utopie wagen also. Was für eine Gesellschaft, was für eine Umwelt, was für ein Leben möchten wir denn haben? Oder zumindest: In welche Richtung soll die Reise gehen? Im Individuellen, im Medizinischen, im Technologischen, im Intellektuellen, im Ökonomischen, im Politischen, im Sozialen, […]? Und mehr Dystopie. Alpträume können ein guter Antrieb sein, Beschleunigung zu beschleunigen. Und Beschleunigung eine Richtung zu geben.

Was möchten wir also für 2009 haben? Mehr Web2.0? Ja. Auf jeden Fall. Ein ubiquitäres, multimediales, konvergentes, mobiles, kontext-erkennendes, adaptives, intelligent gemachtes, inspirierendes, freies, unzensiertes und unzensierendes, offenes, transparentes, atemberaubendes und vor allem schönes Web [15, 16, …]. Ein Web, was die Kontainergeräte mit beeinflußt [17, 18, …], ein Web, sich neue Kontainer sucht [19, 20, …], was die Kontainer verlassen kann. Welches immer neue und weitere Medien und Technologien zum konvergieren, assimilieren, … findet. Welches uns die Arbeit abnimmt, die Menschen vielleicht nicht mehr zu machen brauchen. Etwas, daß Sinn und Spaß macht :-)

Und noch so viel mehr…

February 1st, 2008 by Tim Bruysten in [geschichte der zukunft]

Zugegeben ein trivialer Gedanke, doch trotzdem scheinen seine Konsequenzen nicht allgemein geläufig zu sein: Soziale Systeme, Gesellschaften bilden mit Technologien synthetische Organismen mit einem hohen Grad an Emergenz und Abstraktion; die Herdplatte war aus der Utilisation des Feuers nicht direkt abzuleiten. Versucht man die Technologie wieder aus diesen Gesellschaften zu entfernen, so gleicht dies der Amputation eines wichtigen Organs in einem Organismus.

Doch der evolutionäre Vorteil der techno-sozialen Gesellschaft, mit Technologien und Methoden Symbiosen eingehen zu können, und so den Nachfolgenden schon einen vorgerückten Start zu ermöglichen, stellt sich bei der Selbstreflexion offensichtlich als erschwerende Sichtbehinderung in den Weg.
Techno-Gab, Techno-Recognition-Gab
So entsteht eine Lücke zwischen der wahrgenommenen und der tatsächlichen Technologiedichte, wodurch sich ein etwaiger exponentieller Vektor dem endogenen oder intrasystemischen Betrachter verschließt.

Hinzukommend erschwert eine angenommene psychologische Komponente des durchschnittlichen Betrachters, mit sich selbst zufrieden zu sein und von daher sich selbst eher als Ziel denn als Kettenglied der Evolution einzustufen, eine unvoreingenommene und objektive Betrachtung.

So entsteht ein Problem und eine soziale, ja politische Aufgabe für Designer, hier mittels ihrer Methoden die Transparenz zu erhöhen und den Fortschritt, sowie dessen Extrapolation auf die Zukunft sichtbarer zu machen.