Archive for the '[geschichte der zukunft]' Category

February 1st, 2008 by Tim Bruysten in [geschichte der zukunft]

Zugegeben ein trivialer Gedanke, doch trotzdem scheinen seine Konsequenzen nicht allgemein geläufig zu sein: Soziale Systeme, Gesellschaften bilden mit Technologien synthetische Organismen mit einem hohen Grad an Emergenz und Abstraktion; die Herdplatte war aus der Utilisation des Feuers nicht direkt abzuleiten. Versucht man die Technologie wieder aus diesen Gesellschaften zu entfernen, so gleicht dies der Amputation eines wichtigen Organs in einem Organismus.

Doch der evolutionäre Vorteil der techno-sozialen Gesellschaft, mit Technologien und Methoden Symbiosen eingehen zu können, und so den Nachfolgenden schon einen vorgerückten Start zu ermöglichen, stellt sich bei der Selbstreflexion offensichtlich als erschwerende Sichtbehinderung in den Weg.
Techno-Gab, Techno-Recognition-Gab
So entsteht eine Lücke zwischen der wahrgenommenen und der tatsächlichen Technologiedichte, wodurch sich ein etwaiger exponentieller Vektor dem endogenen oder intrasystemischen Betrachter verschließt.

Hinzukommend erschwert eine angenommene psychologische Komponente des durchschnittlichen Betrachters, mit sich selbst zufrieden zu sein und von daher sich selbst eher als Ziel denn als Kettenglied der Evolution einzustufen, eine unvoreingenommene und objektive Betrachtung.

So entsteht ein Problem und eine soziale, ja politische Aufgabe für Designer, hier mittels ihrer Methoden die Transparenz zu erhöhen und den Fortschritt, sowie dessen Extrapolation auf die Zukunft sichtbarer zu machen.

December 19th, 2007 by Tim Bruysten in [geschichte der zukunft]

Seit ihrem Anbeginn integriert die Menschheit Technologie in den sozialen Prozess und man muß kein esoterischer Futurist sein, um eine Beschleunigung in der Gegenwart wahrzunehmen. Nicht erst seit heute ist in unseren Breitengraden die Trennung von Mensch und Maschine nur als vom Fernsehen inszenierter Akt denkbar. Ist nicht langsam ein Ende absehbar? Gibt es eine letzte sinnvolle Sprosse auf der Leiter der durch Technologie induzierten Bequemlichkeit für die Massen?

Oder werden wir eine weitere Beschleunigung erleben? Werden wir in 5 Jahren noch ohne Informationstechnologie überlebensfähig sein? Als Gesellschaft, als Individuen? Wie tief lassen wir Technologie unter unsere Haut?

Zwischen iPhone und 23andme, zwischen Flickr und Vorratsdatenspeicherung, zwischen Cyborg und Platons Höhle; Informationstechnologie dringt in alle Lebensbereiche vor und es stellt sich die Frage, ob “wir” noch ohne Web, ohne Vernetzung, ohne virtuelles Ich leben können? (…) Chancen und Risiken der globalen Vernetzung, der Aggregation von jedem noch so kleinen Informationsknoten…

Am nächsten Düsseldorfer Webmontag wird es eine neue Komponente geben. Eine Diskurs-Provokation in Form einer 1.0 Podiumsdiskussion mit 2.0 Möglichkeiten. Spannende Spezialisten werden das Thema anheizen… Unwahrscheinlich jedoch, daß die Webmontagsgemeinde eine Statistenrollen einnehmen wird. So ist ein spannendes Experiment, hoffentlich ein Hexenkessel der Ideen, Visionen, Utopien und Dystopien, der Chancen- und Risikenabwägung zu erwarten…

28. Januar 2008, Düsseldorf, Airport.

September 6th, 2007 by Tim Bruysten in [geschichte der zukunft]

Normalerweise gehe ich sehr skeptisch mit solchen Listen um und das Thema Trends an sich sehe ich mir sehr vorsichtig an, aber diese hier von Richard MacManus auf readwriteweb.com ist gar nicht schlecht:

  1. Semantic Web
  2. Artificial Intelligence
  3. Virtual Worlds
  4. Mobile
  5. Attention Ecomomy
  6. Websites as Webservices
  7. Online Video / Internet TV
  8. Rich Internet Apps
  9. International Web
  10. Personalization

Natürlich ist das nicht alles neu, wirklich nicht, aber die Ideengrundlage finde ich gut. Vorallem, weil sie mit meinen Ideen ganz gut zusammen passt. Mit unseren Projekten “mnemo” und “lichtmaschine” bewegen wir uns in der Sphäre des Semantic Web, von Internet TV und von Rich Web Apps von daher findet der Autor hier sozusagen aus persönlichen Gründen meine Zustimmung :-).

Der Punkt “International Web” zeugt von einer sehr amerikanischen Sicht des Autors, leider hat er teilweise damit recht, wenn er sagt, daß ein großteil der Web-Innovationen aus den USA kommen. Aber nur teilweise. Denn nicht zuletzt ist das Web selbst eine europäische Erfindung.

Ergänzen möchte ich die obige Liste um den Part “Medizinische Anwendungen”. Ich denke, daß wir in Diagnose, Therapie und natürlich Abrechnung zahlreiche Applikationen über das Internet in den nächsten Jahren sehen werden.

Besonders spannend finde ich noch das Thema “Mobile”. Zu welchem sich hier im Blog unter dem Stichwort “Ubiquitous Computing” zahlreiche Einträge:

- Neuerfindung des Telefons…
- Ubiquitous Web 3.0
- Ubiquitous Computing
- Ubiquitous Hardware
- US-Wissenschaftsstiftung plant Internet des 21. Jahrhunderts
- web ontology and the semantic web
- Location based services

computing visions
- Raskins weise Worte
- Chips und Betriebssystem werden irrelevant
- The end of filesystems
- Ubiquitous Computing
- The Web 2.0 Experience Continuum
- TV vs Web oder konvergente Medien?

Aber immer wenn man über die Zukunft nachdenkt, und sei es in einem kurzen Blog-Artikel, lohnt es, sich die Visionen vergangener Zeiten zur Zukunft anzusehen: Tales of Future Past. Man merkt schnell, wie leicht man der Versuchung anheim fällt, die Zukunft als größere Version der Gegenwart zu denken…

UPDATE, 08.09.2007:
Hierher passt auch ein Verweis auf Adobes Ankündigung, eine Online-Version von Photoshop herauszubringen:
- Adobe kündigt Online-Version von Photoshop an

July 12th, 2007 by Tim Bruysten in [geschichte der zukunft]

Otto Vista 3D Shop
Otto präsentiert einen neuen Shop. Vista-Only. Alles 3D. Tobias bietet eine Video-Führung an, besonders für alle Non-Vistianer interessant.
Das Interface sieht, soweit ich es ohne Vista, also nur aus der Ferne beurteilen kann, ganz gut durchdacht aus. Auf jeden Fall scheint doch nun tatsächlich das Zeitalter des 3D-Webs anzubrechen. Doch Vorsicht, noch zu einfach scheinen mir zahlreiche Konzepte. Und sicherlich wird es ein intensiverer, vielleicht gar längerer Akt werden, 3D-Interfaces umfassend in Arbeits-, Lern-, Spiel und sonstige Prozesse zu integrieren.

Hardware und Bandbreite reichen mit einem aktuellen PC/Mac und einer mittleren DSL-Leitung jedenfalls nun aus. Auch wenn bei Secondlife noch so mancher Rechner ins Schwitzen kommt, gehe ich davon aus, daß alle notwendigen Kapazitäten in den nächsten 6 bis 18 Monaten flächendeckend als Standard vorrausgesetzt werden können.

Ein großes Aber steht jedoch immer da, schon seit dem in den Urzeiten des Webs zum ersten Mal über 3D-Welten nachgedacht wurde. Macht ein 3D-Interface mehr Sinn? Hier kann man nur mit einem ganz klaren und eindeutigen “kommt drauf an” antworten.

Denn weder mag ich SecondLife, schon eher, aber auch nicht so richtig, World of Warcraft als “virtuelle Welt” anerkennen. Da der Begriff einer Lebenswelt impliziert, daß soziale Regeln nicht nur von den Bewohnern dieser Welt (in welchem Prozess auch immer) selbst gestaltet werden, sondern auch jeder weitestgehend frei ist zu entscheiden, ob er sich nun an diese Gesetze hält. Götter oder Programmierer kommen da nicht vor.

Bis zur Erfindung des Holodecks werden virtuelle Welten daher höchstwahrscheinlich pragmatischen Dingen, wie der realistischeren Präsentation von Mode (siehe Otto) vorbehalten sein. Vor allem, wenn man bedenkt, welcher Unfug schon in so manchem “3D-Interface” verbaut wurde.

Doch als Letztes folgt hier noch ein zweites großes Aber: Gerade wenn man die generelle Tendenz bedenkt, daß mit Spielen wie World of Warcraft und SecondLife, mit Dingen wie dem Otto 3D-Shop, mit zunehmender Bandbreite und besserer Technik auf Client-Seite, mit Technologien wie AJAX, Flash, Adobe Air, Microsoft Silverlight, Multi-Touch, QR-Codes und konvergenten Geräten wie dem iPhone, … ein Baukasten entsteht, der danach schreit, daß Designer gute Konzepte entwickeln, gibt es Hoffnung auf Innovation.

Lassen wir uns also überraschen, oder besser noch: Man lasse sich etwas einfallen!

siehe auch:
- Spacetime 3D Search
- 3D Live Stats
- Bumbtop 3D Desktop

March 12th, 2007 by Tim Bruysten in [geschichte der zukunft]

Allerorten werden mit atemberaubender Geschwindigkeit Daten erzeugt. Das geht solange gut, bis mal jemand ernsthaft etwas sucht… Wem bei der Vorstellung der exorbitanten Datenmengen, die wir digitalisierten Menschen in den letzten Jahren erzeugt haben, Angst und Bange wird und sich an diverse Börsenblasen erinnert fühlt, dürfte in der Betrachtung der Problemstellung nicht ganz falsch liegen.

Zu wenig scheint man in Industrie und Wirtschaft, aber auch im Privatleben, bisher auf Transparenz, Langlebigkeit und Datenschutz zu achten (siehe zum Beispiel das Weblogs des Privacy-Seminars an der FH-Aachen).

Die 161 Exabyte, die allein im letzten Jahr, laut einem Wired-Artikel (siehe auch den Artikel von Prof. Oliver Wrede) vermutlich erzeugt wurden, sind weit mehr, als alle geschriebenen Bücher zusammen. Doch wird bei diesem Vergleich auch direkt die andere Seite deutlich. Bücher sind ein gewachsenes Kulturgut, ihr Interface ist über Jahrhunderte des Gebrauchs gewachsen und professioneller geworden, sie sind als Medium von der Gesellschaft assimiliert worden.

Dieser Kulturgebungsprozess fehlt an vielen Stellen im Umgang mit den Medien, die für dieses unübersehbare Wachstum an Informationen verantwortlich zeichnen. Was ist also notwendig, dazu beizutragen, daß Individuen und Gesellschaften sich dieser Informationsfülle nicht nur bewußt werden, sondern auch politisch, moralisch, ökonomisch und ökologisch sinnvoll mit ihr umzugehen lernen?

Natürlich ist dieser Prozess zur Zeit mit gewaltigen Schritten auf dem Vormarsch. Trotzdem bleibt noch viel zu tun. Wichtig ist vor allem, eine gewisse Geduld mit zu bringen. Neue Technologien schaffen, je nach Integrationspotential, neue Gesellschaften. So wie das Auto oder das Feuer jeweils eine neue Gesellschaft(sform) hervorgebracht haben, so werden die vernetzten Medien und Kommunikationsmöglichkeiten dies auch tun. Doch sollte diesem Prozess sicherlich eine Zeit von ein bis zwei Generationen eingeräumt werden, bis er mit der Integrationstiefe und Kulturbildung anderer Technologien, wie z.B. der des Autos vergleichbar wird.

Doch Geduld ist nicht alles. Während ich keine Sorge habe, daß uns die nächsten Jahre mit Technologien ausstatten, die Datenspeicherungsprobleme weitestgehend lösen, ist in der Gestaltung des Zugangs, der Verständlichkeit, der Archivierbarkeit, der Transparenz, der Vergleichbarkeit noch viel Forschungs- und noch mehr Umsetzungsbedarf.

Informationsdesigner, Datensicht’ler sollten sich ihrer Bedeutung bewußt sein und rechtzeitig ihre Domäne abstecken. Denn intelligente Darstellungsmethoden in Verbindung mit einer haptischer erscheinenden Hardware und einem durchdachten Interaktionskonzept können maßgeblich dazu beitragen einen Großteil der auftretenden Probleme zu lösen.

February 28th, 2007 by Tim Bruysten in [geschichte der zukunft]

Es scheint mal wieder an der Zeit für ein dickes “YIEAH!” zu sein. Die neue Version der Virtualisierungssoftware “Parallels” bringt Windows-Applikationen direkt in MacOS X. Ohne sichtbares Windows-Fenster.

Demo-Video

Warum ist das so bemerkenswert? Nun, zum einen stelle ich mir schon seit langem die Frage, wozu ich ein Betriebssystem wirklich brauche? OK, mein Rechner braucht vielleicht eins, aber was hat das mit mir zu tun? Warum muß ich mich damit “herumschlagen”?

Betrachtet man einige aktuelle Innovationen aus etwas Distanz, so fällt das Glaskugelgucken gar nicht so schwer:

Multi-Touch
Im Grunde brauche ich weder ein Betriebssystem noch ein Anwendungsprogramm. Ich brauche eine bestimmte Funktion. Multi-Touch erlaubt die Vision von sehr einfach erschließbarer, haptischer Software.

AJAX OS
AJAX OS steht für eine lange Liste von Beispielen, die zeigen, daß man keine komplexen Anwendungspramme auf irgendeinem Rechner installieren muß, um hochwertige Software nutzen zu können.

iPhone
Das iPhone ist, soweit es bis heute zu beurteilen ist, der Beleg, daß Designer es schaffen können, marktreife Produkte, mit guten Interfaces zu bauen, die, betrachtet man sie genau und versteht man etwas von Interface- und Interaktionsdesign, signifikant den Bedienkomfort und das Verständnis des Interfaces verbessern.

Unsere Hardware sowie die (drahtlose) Netzanbindung ist so gut geworden und wird sich in den nächsten Jahren noch in dem Maße verbessern, daß es kein Wunder mehr ist, auf jedem Digital-Werkzeug ein vollwertiges Betriebssystem und Breitband-Internetzugang zu haben. Doch könnte der Unterschied eben sein, daß uns weder Betriebsstem noch Internetzugang sonderlich interessieren. Sie sind einfach da. So wie der Anlasser im Auto. Der in der Steinzeit ja auch noch von Hand betätigt werden mußte.

Zurück zu Parallels. Aus dieser Perspektive wird klar, warum es einen Artikel in einem Design-Weblog wert ist, wenn eine Software zwei Betriebssysteme verschmilzt. Andere Tools und Technologien geben uns weitere visionäre Ideen.

siehe auch:
- Raskins weise Worte
- Chips und Betriebsssteme werden irrelevant
- NeXt Presentation
- Douglas Adams: Hyperland
- The Knowledge Navigator

January 18th, 2007 by Tim Bruysten in [geschichte der zukunft]

ZDF Mediathek: Wie alt sehen wir künftig aus? (Zukunftsaussichten der Rente)
Die ZDF Mediathek stellt uns aktuell das Thema “Rente” vor. Eine gut gemachte interaktive Präsentation. Sehenswert für meine Studenten unter den Gesichtspunkten “Storytelling” und “Flash-Interfacedesign”, und für alle, die sich für das Thema “Rente” interessieren.

siehe auch:
- ZDF - Mediathek: Evolution
- ZDF - Mediathek: Robotik
- ZDF - Mediathek: Dresdner Frauenkirche
- Beethoven als interaktives Flasherlebnis
- Tagesschau stellt sich interaktiv vor

In diesem Kontext lohnt es sich auch, meine Visual Explanations sowie die eLearning Examples anzusehen.

January 9th, 2007 by Tim Bruysten in [geschichte der zukunft]

… nennt Apple die Einführung des iPhones. Und könnte damit recht haben. Das iPhone und seine Interfaces machen auf den ersten Bildern einen fabelhaften Eindruck und setzen den Qualitätsanspruch an Handys gewaltig nach oben.

Apple - iPhone

Features auf dem Telefon: Multitouch, MacOS X, Safari, iTunes, Widescreen Video, 4 GB und 8 GB Variante, extrem flaches Gehäuse, Quadband, 160 DPI Bildschirm, integrierte Kamera, WLAN, Bluetooth… Ein Blick auf den Knowledge Navigator lohnt sich heute also wirklich. Eine etwas antiquiert anmutende Präsentation von Steve Jobs offenbart, wo viele Ideen herkommen.

Über die zweite Innovation von Apple, das Apple TV, habe ich heute morgen schon geschrieben (Ubiquitous Web 3.0), das iPhone reiht sich in diesen Gedanken nahtlos ein. Wenn man sich nun eventuell sogar den Automator auf einem Mobiltelefon denkt, stehen neue Türen der Produktivität und des Spaßes bei Entertainment, Kommunikation und Business weit offen…

siehe auch:
- Multi-Touch Interaction Research
- The All-Mighty-Mouse
- Tastatur und Maus werden nicht völlig verschwinden…
- geschichte des user interface

Interessant dürfte in dem Kontext dieses Artikels mein GUI-Überblick sein.

UPDATE:
Die Keynote von Steve Jobs ist nun online.

December 7th, 2006 by Tim Bruysten in [geschichte der zukunft]

Nach den traurigen Ereignissen der Gewalt der letzten Wochen in deutschen Schulen ist wieder eine Diskussion um Zensur der Medien und Medienkompetenz losgebrochen. heute.de schreibt darüber. Eine Diskussion, die dringend notwendig ist, leider aber häufig in die falsche Richtung läuft.

Dies aus einem einfachen Grund. Das Internet im Allgemeinen und (einige) Computerspiele im speziellen sind nicht (nur) Rezeptionsmedien, es sind Partizipations-, Kommunikations-, Distributionsmedien. Medienkompetenz wird somit zu einem entscheidenden Teil zu Sozialkompetenz und es entsteht ein Bedarf an journalistischen Fähigkeiten und Abstraktionsvermögen.

Sehenswert in diesem Kontext ist der Beitrag des elektrischen Reporter mit Peter Glaser:
- Peter Glaser über Datenschutz und Informationskubismus

Gleichzeitig wäre es fatal, dem Mangel an entsprechender Schulung und Ausbildung mit einer Zensurdebatte zu begegnen. Technologien verändern Gesellschaften. Dieser Prozess läßt sich nur mit Gewalt beeinflussen und wie China zeigt, auch dann nicht dauerhaft und niemals vollständig. Das die Anpassung allerdings oft als Schmerzhaft empfunden wird, sollte nicht allein auf die Konsumenten (der neuen Technologien) abgewälzt werden.

Technologie und Gesellschaft sind ein emergentes System und intelligente Ingenieure und Designer sollten Möglichkeiten finden, neue Technologie so anzubieten, daß sie leicht verstanden und einfach integriert werden kann. Wo dies nicht geschieht, entstehen Probleme, die sich in überlaufenden Hotlines oder mangelndem Know-How-Transfer innerhalb der Gesellschaft äußern können.

Doch sollten auch die richtigen Konsequenzen für (Aus)Bildung und Lehre gefunden werden. Faktenwissen wird unwichtiger. Methodenkompetenzen, soziale Fähigkeiten, eine philosophische Grundbildung sowie eine umfassende Allgemeinbildung werden Schlüsselkompetenzen sein, im angebrochenen Jahrhundert erfolgreich zu sein. Denn mit Hilfe dieser Eigenschaften wird die Reflexionsfähigkeit über neue Technologien und Medien steigen und damit auch die Kompetenz, diese zu seinem eigenen Zweck anzupassen.

Vielen scheint das Begreifen eines hochdynamischen, non-linearen Mediums, das sich sehr schnell entwickeln kann und dessen Grenzen per Definition kaum festzustellen sind, Angst zu machen. Das ist verständlich. Und so wie Kinder, denen aus biologischen Gründen die notwendige Reflexionsgabe noch nicht zur Verfügung steht, pädagogisch sinnvoll an das Medium herangeführt werden müssen, so ist es notwendig, ältere Menschen bei dem Anpassungsprozess zu unterstützen und über bekannte Werte eine angemessene Analysemöglichkeit zur Verfügung zu stellen.

siehe auch:
- Computerspiele als Lernsysteme
- Pädagoge stellt brutale PC-Games und Personen-Umfeld in Zusammenhang
- heute.de: SPD - Kompetenz statt ‘Killerspiel’-Verboten (extern)

October 31st, 2006 by Tim Bruysten in [geschichte der zukunft]

Nun ist Web2.0 in aller Munde. In wirklich aller Munde, populäre Zeitschriften kündigen ihren Lesern auf der Titelseite “Web2.0 -Tipps” an und sogar die langweiligsten Agenturen schmücken sich inzwischen mit diesem Tag.

Das sagt uns zweierlei. Erstens, das Web2.0 ist erfolgreich. Es ist eine Marke für ein Produkt, was es gar nicht gibt; es transportiert jedoch die Vision von einem besseren Web. Augenscheinlich scheint es also notwendig zu sein, das “alte Web” zu verbessern, wenn die Nachfrage nach dieser Marke so viel Phantasie in einen Markt bringt, der noch vor wenigen Jahren von einem gewaltigen Crash niedergestreckt, am Boden lag. Zweitens; die Sättigung des Aufmerksamkeitsmarktes für das Label “Web2.0″ dürfte bald erreicht sein, oder ist vielleicht schon erreicht. Das bedeutet nicht, daß Philosophie und Technologie des selbigen weniger erfolgreich sein werden, daß bedeutet nur, daß sich innovative Kräfte höchstwahrscheinlich bald nach einem neuen Thema umschauen werden.

Das Risiko besteht darin, daß diese Sättigung des Aufmerksamkeitsmarktes mit dem Begriff des “Web2.0″ der wirklichen Integration der zweifelsfrei spannenden und weitreichenden Möglichkeiten der mit eben diesem Begriff verbundenen Technologien und Methoden im Wege stehen könnte. In Lehre und Forschung, in kollaborativen und sozialen Netzwerken, in eben Diensten, die dem, was menschliche Gemeinschaft (und deren Erfolg) ausmacht, am nähesten stehen, ist das Potential und die Integrationsbreite und -tiefe noch lange nicht ausgeschöpft.

Jedoch erwarte ich schon bald Schlagzeilen, die auch die Schattenseiten der mit diesen Technologien einhergehenden Offenheit in der Öffentlichkeit beleuchten. Und obwohl ich eine Debatte über Fragen wie Urheberrecht, Privatsphäre, Datenschutz besonders im Kontext der ubiquitären und miniaturisierten Computer und Netzwerke schon lange fordere, fürchte ich, daß diese Debatte, wenn sie von den Massenmedien ausgeht, nicht ausreichend qualifiziert geführt wird.

Auf der anderen Seite ist der evolutionäre Charakter dieser Technologien in Hinblick auf die Kommunikationsmöglichkeiten der Menschen nicht zu unterschätzen und sollten nicht massive politische Manipulationen an dem Zugang zu diesen Technologien vorgenommen werden, wird sich die Zeit, in der der Begriff des “Web2.0″ populär war, vielleicht als diese erweisen, in der dann doch die Integrationstiefe des Internet erreicht wurde, daß es zu einem natürlichen Teil der menschlichen Sozialsphäre wird.

siehe auch:
- Deliberative Verfahren der Willensbildung
- Öffentliches Wissen
- Neue Technologien erweitern die soziale Interaktion

extern:
- Interblase 2.0