Über “2008″ wird zur Zeit viel geschrieben. Dabei wurden Tode und Wiederauferstehungen gleichermaßen verkündet. Und so wie es vor einige Jahren hieß, “das Web ist tot, es lebe das Web” durchläuft auch die Zweinulligkeit gerade eine Reifeprüfung. Eine Reifeprüfung, die schlicht dazu führen wird, daß es sich selbst nicht mehr gar so ernst nimmt, dieses Web2.0.
Aber mal ernsthaft. Es liegt wohl auf der Hand, daß keiner die Innovationen und den Ideenschub der 2.0 Ära missen will. [1, 2, 3] Keiner will mehr öde formularbasierte, unfreundliche, pseudodynamische, unkommunikative und anti-kollaborative Websites akzeptieren. Und das ist gut so. Doch wollten wir unseren Fortentwicklungsdrang, unsere weitere kommunikative Evolution als Menschheit darauf beschränken? Mancherorts scheint es so. “Hey schaut her… nun gibt es uns. Wozu noch Evolution?”. So klingt es häufig zwischen den Zeilen verbaler Stammtische.
Die sozialen Netze als neue Dynamik von sozialer, politischer und wirtschaftlicher Realität… [4, 5, 6] das wurde immer als DIE Innovation des Web2.0 gefeiert. Und ja, ich stehe dazu und voll da drauf. Ich mag sie fast alle und finde einige für mich, fürs Business wie auch für eine moderne Gesellschaft, unverzichtbar. Nicht zwangsläufig als sie selbst, aber den Dienst, den sie anbieten. Diese sozialen Plattformen. Und mobil werden sie auch gerade.
Doch eigentlich war dies, was von vielen als das größte Wunder des Webs gepriesen wird, das am ehesten auf der Hand liegende. Was würde wohl ein extraterrestrischer Beobachter annehmen, was eine Lebensform auf dem Planeten Erde mit neuen Technologien macht? Eine Lebensform, die ihren evolutionären Erfolg vorallem drei Dingen verdankt: Ihrem “Herdentrieb” (neudeutsch “social collaboration”) und ihrer Musterlernfähigkeit und ihrer Neugierde.
Nun, wahrscheinlich würde dieser Beobachter vermuten, daß jene Lebensform versuchen wird, eine neue Technologie zur Vereinfachung, Konsolidierung und Erweiterung dieser erfolgreichen Verhaltensweisen zu nutzen.
Next.
Was für Technologien werden als nächstes gemeinsam mit der aktuellen Gesellschaft zu einer neuen konvergieren [7]? Eine nicht unbedingt in dieser Form, aber trotzdem häufig gestellte Frage. Viel zu häufig auf dem Level von Trendforschung. Für das aktuelle Business in einigen Teilbereichen sicherlich interessant, spannend und manchmal sogar notwendig. Doch Trends sind Symptome. Viel ergiebiger ist es, nach dem übergeordneten Prozess, der Meta-Ebene zu suchen. Warum machen Menschen *etwas*? Als einzelne Individuen, als vertraute Gruppe oder als Gesellschaft?
Und mehr… Was sind die Brüche in der Meta-Ebene? Was sind die Triebfedern hinter den beschleunigenden Momenten der Geschichte? Kann man diese selbst nutzbar – urbar machen? Bedarf es der *gegebenen* Langeweile als Nährboden für Revolutionen? Wie kann man “disruptive Beschleunigungen” oder gar Sprünge heraufbeschwören? Wird Evolution gestaltbar / inszenierbar? [21, 22, 23, 24, …]
Was das mit Design zu tun hat… oder umgekehrt… warum Design hier eine wesentliche Rolle spielen muß, darüber habe ich in diesem Jahr an verschiedenen Stellen nachgedacht [8, 9, 10, 11, …]. Solange Zukunft aber etwas nicht zwangsläufig kausales, sondern etwas gestaltbares bleibt - oder zumindest so verstanden wird, ist die Antwort in der Frage implizit enthalten. Obwohl eigentlich trivial, die Differenzierung zur “Realpolitik” soll hier nicht unerwähnt bleiben. Es ist schlicht ein methodischer Unterschied. Während die Realpolitik nach dem zwangsläufig sinnvollen nächsten Schritt fragt, ein Spielball von als Naturgesetzen verstandenen Kausalitäten ist, darf – nein muß ein designerischer Ansatz diese Ebene verlassen.
Ein designerischer Ansatz fragt nicht nach dem wie. Wie man aus einem gegeben Zustand in einem gegebenen System den nächsten [sinnvollen] Zustand erreichen kann. Ein designerischer Ansatz fragt eben nicht danach, die nächste Mehrheit aus dem Kaffesatz des aktuellen Zustandes herauszuorakeln. Ein designerischer Ansatz sucht nach einem globalen Wozu. Danach steht die Frage nach einem sinnvollen System, mit dem man dieses Wozu erreichbar machen kann. Und schließlich die Detailassemblierung… der Prozess… das Change Management, die Ausgestaltung, die Integration [12, 13, 14, …].
Mehr Utopie wagen also. Was für eine Gesellschaft, was für eine Umwelt, was für ein Leben möchten wir denn haben? Oder zumindest: In welche Richtung soll die Reise gehen? Im Individuellen, im Medizinischen, im Technologischen, im Intellektuellen, im Ökonomischen, im Politischen, im Sozialen, […]? Und mehr Dystopie. Alpträume können ein guter Antrieb sein, Beschleunigung zu beschleunigen. Und Beschleunigung eine Richtung zu geben.
Was möchten wir also für 2009 haben? Mehr Web2.0? Ja. Auf jeden Fall. Ein ubiquitäres, multimediales, konvergentes, mobiles, kontext-erkennendes, adaptives, intelligent gemachtes, inspirierendes, freies, unzensiertes und unzensierendes, offenes, transparentes, atemberaubendes und vor allem schönes Web [15, 16, …]. Ein Web, was die Kontainergeräte mit beeinflußt [17, 18, …], ein Web, sich neue Kontainer sucht [19, 20, …], was die Kontainer verlassen kann. Welches immer neue und weitere Medien und Technologien zum konvergieren, assimilieren, … findet. Welches uns die Arbeit abnimmt, die Menschen vielleicht nicht mehr zu machen brauchen. Etwas, daß Sinn und Spaß macht :-)
Und noch so viel mehr…
mnemo (beta):- Zeitalter
- Die dritte Session der Ästhetischen Gesellschaft
- Session.Four – Die Gesellschaft als offenes Kunstwerk?
- Interblase 2.0
- Missverständliche Metapher
- Konvergente Technologien
- Designtheorie?
- Die zweite Session der Ästhetischen Gesellschaft
- Die nächsten 10 Webtrends
- Wave Hackathon in Düsseldorf
- #MBC09
- Wissensmanagement-Projekt
- 2. Düsseldorfer WaveWednesday
- John Maeda über Simplicity
- Jimmi Wales beim Elektrischen Reporter
- Session 6 und 7
- Blase 2.0
- Design Bücher
- Web2.0 Studie
- Die fünfte Session der Ästhetischen Gesellschaft
- h2g2
- Technologische Wahrnehmungslücke?
- Symbiotic Web
- Mensch und Maschine verschmelzen
- Die "Kybernese der Gesellschaft"
- Der Countdown läuft…
- Webmontag Report
- conquering the world
- Auf dem Weg in die Google-Gesellschaft?
- Internet 3D
- Dev House Cologne
- Web 3.0
- Multi-OS-Interfaces
- Webmontag Cologne III
- Ein neuer Spirit?
- Multimediatreff XXI
- Web Ontology and the Semantic Web
- Digg The Candidates
- OrangeGamer
- Peak Web
- The Sky is the limit
- Experience Is The Product
- Beschleunigung der Unschärfe
- alles twittert
- Vernetztes Entscheiden

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