October 31st, 2006 by Tim Bruysten in [geschichte der zukunft]

Nun ist Web2.0 in aller Munde. In wirklich aller Munde, populäre Zeitschriften kündigen ihren Lesern auf der Titelseite “Web2.0 -Tipps” an und sogar die langweiligsten Agenturen schmücken sich inzwischen mit diesem Tag.

Das sagt uns zweierlei. Erstens, das Web2.0 ist erfolgreich. Es ist eine Marke für ein Produkt, was es gar nicht gibt; es transportiert jedoch die Vision von einem besseren Web. Augenscheinlich scheint es also notwendig zu sein, das “alte Web” zu verbessern, wenn die Nachfrage nach dieser Marke so viel Phantasie in einen Markt bringt, der noch vor wenigen Jahren von einem gewaltigen Crash niedergestreckt, am Boden lag. Zweitens; die Sättigung des Aufmerksamkeitsmarktes für das Label “Web2.0″ dürfte bald erreicht sein, oder ist vielleicht schon erreicht. Das bedeutet nicht, daß Philosophie und Technologie des selbigen weniger erfolgreich sein werden, daß bedeutet nur, daß sich innovative Kräfte höchstwahrscheinlich bald nach einem neuen Thema umschauen werden.

Das Risiko besteht darin, daß diese Sättigung des Aufmerksamkeitsmarktes mit dem Begriff des “Web2.0″ der wirklichen Integration der zweifelsfrei spannenden und weitreichenden Möglichkeiten der mit eben diesem Begriff verbundenen Technologien und Methoden im Wege stehen könnte. In Lehre und Forschung, in kollaborativen und sozialen Netzwerken, in eben Diensten, die dem, was menschliche Gemeinschaft (und deren Erfolg) ausmacht, am nähesten stehen, ist das Potential und die Integrationsbreite und -tiefe noch lange nicht ausgeschöpft.

Jedoch erwarte ich schon bald Schlagzeilen, die auch die Schattenseiten der mit diesen Technologien einhergehenden Offenheit in der Öffentlichkeit beleuchten. Und obwohl ich eine Debatte über Fragen wie Urheberrecht, Privatsphäre, Datenschutz besonders im Kontext der ubiquitären und miniaturisierten Computer und Netzwerke schon lange fordere, fürchte ich, daß diese Debatte, wenn sie von den Massenmedien ausgeht, nicht ausreichend qualifiziert geführt wird.

Auf der anderen Seite ist der evolutionäre Charakter dieser Technologien in Hinblick auf die Kommunikationsmöglichkeiten der Menschen nicht zu unterschätzen und sollten nicht massive politische Manipulationen an dem Zugang zu diesen Technologien vorgenommen werden, wird sich die Zeit, in der der Begriff des “Web2.0″ populär war, vielleicht als diese erweisen, in der dann doch die Integrationstiefe des Internet erreicht wurde, daß es zu einem natürlichen Teil der menschlichen Sozialsphäre wird.

siehe auch:
- Deliberative Verfahren der Willensbildung
- Öffentliches Wissen
- Neue Technologien erweitern die soziale Interaktion

extern:
- Interblase 2.0

mnemo (beta):

    2 Responses to “Next Step”

    1. Dipl. Designer Tim Bruysten - Interfacedesign - Interaktionsdesign - soziales Design » Blog Archive » Blase 2.0 Says:

      […] sag ich doch: - Interblase 2.0 - Next Step […]

    2. Dipl. Designer Tim Bruysten - Interfacedesign - Interaktionsdesign - soziales Design » Blog Archive » ReputationDefender Says:

      […] siehe auch: - Urbane Datenräume - Daten hin - Daten her - Schnüffeldienst warnt Firmen bei Erwähnung in Weblogs - Öffentliches Wissen - Next Step - Blog-Marketing - Pressefreiheit vs. Privatsphäre […]

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