Immer wieder flackert in den letzten Monaten und Jahren die Diskussion auf, wie mit dem Potential des Netzes umzugehen sein, öffentliches Wissen zu aggregieren. Die Wikipedia ist dabei oft Schauplatz oder gar Protagonist dieser Debatte. Augenscheinlich ist sie das erfolgreichste, wenn auch nicht das erste Projekt dieser Art (siehe: h2g2).
Doch was bedeutet Erfolg bei einer öffentlichen, kollaborativen Enzyklopädie? Die Menge der User, der Artikel, deren Qualität, oder eine schwierig zu definierende Menge daraus? Obwohl mit der Encyclopedia Britannica auf gleiche Stufe gestellt, wächst die Kritik an der Methodik der Wikipedia. Da Experten auf gleichem Level mit gleichen Rechten wie Laien oder Besserwissen agieren müssen, Quellen und Verknüpfungen oft nicht oder nur unzureichend vorhanden sind und damit die Verifizierbarkeit und das Vertrauen in den Wahrheitsgehalt und die Qualität in Frage gestellt wird (siehe: The Concept of Truthiness).
Es wäre ein Hohn, wenn das Potential des Netzes nicht in dieser Richtung genutzt werden würde. Larry Sanger, einer der Gründer der Wikipedia hat sich in Berlin auf der “Wizards of OS 4” dafür ausgesprochen, einen neuen Ansatz zu wagen. Citizendium nennt er sein Projekt, bei dem strengere Regeln und der Verzicht auf Anonymität zu einer höheren Qualität führen sollen.
Einen journalistischen Ansatz dieser Art verfolgt das Projekt der Netzzeitung, die Readers Edition. Hier werden Artikel, die von Jedermann verfasst werden können, von einer Redaktion, die ebenfalls theoretisch Jedem offen steht, redigiert, bevor sie veröffentlich werden.
Tim Bonnemann hat auf dem 5. Webmontag in Köln eine ähnlich begründete Diskussion um einen “Citizen Think Tank” begonnen. Doch ist ein umfassender Ansatz, noch nicht in Sicht. Vielmehr stellt sich die Frage, ob es wirklich einen einzigen solchen Ansatz geben muß. Könnte die Lösung dieser Diskussion nicht vielmehr in der Pluralität liegen? Könnten nicht mehrere, konkurrierende Plattformen viel mehr dem Geist des Netzes entsprechen? Könnten sie nicht voneinander lernen, um die besten Autoren wetteifern, sich auf Nischen fokussieren und für diese Spezialisten gewinnen?
Für das allerwichtigste halte ich, daß diese Diskussion tatsächlich geführt wird. Zu viele Journalisten, Schüler, Studenten, Professoren, … schreiben tagtäglich aus dem Netz und natürlich besonders aus der Wikipedia ab. So entsteht Wissen, das nicht falsch sein muß, aber zumindest wage bleibt.
siehe auch:
- Die Kondensation des Wissens
- The power-law of participation
- Die Humanisierung des Netzes
- Wikipedia bald auch als Fixversion
- Wikipedia in der Kritik
- Wahlblogs
- Evolution eines Wikipediaeintrags
- Schlechte Stimmung

September 15th, 2006 at 8:51 pm
Sehr spannend, was in dem Bereich aktuell passiert (Citizendium, Campaigns Wikia, Dropping Knowledge etc.).
Eine besondere Herausforderung scheint mir zu sein, dass nicht immer ganz klar ist, welche Use Cases eigentlich alles abgebildet werden sollen. Welches Problem soll gelöst werden und für wen? Das Aggregieren von Wissen ist vermutlich nur ein Teilaspekt, wobei Wikis selbst an dem Punkt schon vielerlei Limitationen aufweisen (zumindest in der Form wie wir sie heute kennen).
Ich stelle mir Wikis daher als wichtigen Baustein einer ganzen Sammlung von Werkzeugen vor, mit der sich Bürgerbeteiligung effizienter abbilden ließe.
September 15th, 2006 at 9:00 pm
[…] Via Tim: Öffentliches Wissen (in German) […]
September 15th, 2006 at 10:05 pm
[…] Schindler. Reaktionen auf diesen Beitrag via RSS 2.0 Bitte kommentieren Sie oder diskutieren via Trackback weiter! Kommentare Bitte kommentierenSie! […]
September 18th, 2006 at 10:22 am
[…] Jedoch ist dies sicher nicht das Ende des Wikis wie es Robert A. Gehring bei Golem.de vermutet. Die Ankündigung wird in den Netz-Medien wie heise.de, zwei mal auf Readers Edtion und der Blogsphäre kritisch betrachtet. Man darf sicher sein das http://citizendium.org weiter kritisch beobachtet wird. […]
September 26th, 2006 at 10:47 am
[…] Das jedoch bei erhöhter Beschleunigung des Informationstransfers nicht zwangsläufig besseres Wissen entsteht, darf nicht verschwiegen werden. Gerade für Unternehmensnetze besteht hier eine nicht zu unterschätzende Gefahr (siehe auch: Öffentliches Wissen). Hier gilt es mit weitergehenden designerischen Methoden Qualitäten sichtbar und begreifbar zu machen. […]
September 30th, 2006 at 10:27 am
[…] im Kontext: - Rupert Murdoch betont die Bedeutung des Internet - Internet ist ein “Schrotthaufen” - Öffentliches Wissen Tags: [geschichte der zukunft] […]
October 22nd, 2006 at 3:59 pm
[…] siehe auch: - Öffentliches Wissen Tags: c learning / e learning, collaboration, e learning, WDR, wissensmanagement […]
November 1st, 2006 at 12:09 pm
[…] siehe auch: - Deliberative Verfahren der Willensbildung - Öffentliches Wissen - Neue Technologien erweitern die soziale Interaktion […]
November 7th, 2006 at 10:26 am
[…] Beispiele: - Deliberative Verfahren der Willensbildung - Neue Technologien erweitern die soziale Interaktion - Öffentliches Wissen […]
November 7th, 2006 at 1:37 pm
[…] siehe auch: - Urbane Datenräume - Daten hin - Daten her - Schnüffeldienst warnt Firmen bei Erwähnung in Weblogs - Öffentliches Wissen - Next Step - Blog-Marketing - Pressefreiheit vs. Privatsphäre […]
December 2nd, 2006 at 12:03 am
[…] siehe auch - Öffentliches Wissen - Next Step - Urbane Datenräume - Daten hin – Daten her - Power - Law of Participation - Die Humanisierung des Netzes Tags: Datenschutz, Google, kollektives Gedächtnis, wissensmanagement […]
January 5th, 2007 at 12:38 am
[…] Häufigst aufgerufene Artikel: - mnemo - beyond searching - the hubble heritage image gallery - Gabminder - neue Technologien erweitern die soziale Interaktion - Wie nutze ich das Histogramm - Elektrischer Reporter - Pathways - Mapping für Wikipedia - WDR - Programm zum Mitnehmen und Nachhören - Hochinvasive Hirn-Computer-Schnittstelle erfolgreich am Menschen getestet - Ubiquitous Computer - Tracing the Evolution of social software - Tagesschau stell sich interaktiv vor - Neurologie und Design - Interfaces for staing in the flow - Interfaces for staying in the flow - Öffentliches Wissen - ARS Electronica - Festival Resumee […]
February 11th, 2007 at 10:36 am
[…] siehe auch: - Öffentliches Wissen - Ich hab doch nichts zu verbergen… - Reputation Defender - Datenschützer: Anonymität im Netz ein gesetzlich verbrieftes Recht - von Wem ist was? […]
June 7th, 2007 at 9:56 pm
[…] im Kontext: - Rupert Murdoch betont die Bedeutung des Internet - Internet ist ein “Schrotthaufen” - Öffentliches Wissen […]
February 14th, 2010 at 10:02 am
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