Mittels des Internet schafft sich die Gesellschaft die Wahrheit, die Ihren Werten am ehesten entspricht. Was der Mehrheit am bequemsten ist, ist wahr. In diese Richtung gehen die “Analysen” des US-Talkmasters Stephen Colbert über Wikipedia. Anzuschauen bei youtube.
In einer Art Anti-Wikipedia, wikiality.com, subsumiert Colbert dies unter dem Schlagwort “Truthiness” (siehe auch uncyclopedia). Völlig abtun kann man diese Überlegungen nicht. Ganz im Gegenteil - mit Hintergrundwissen über Spiel- und Kooperationstheorie kann es einem schon Angst und Bange werden, vor allem, wenn man bedenkt, daß viele Journalisten von Zeitungen, TV-Sendern usw. das Internet und natürlich auch Wikipedia als Rechercheplattform nutzen.
Damit ich nicht falsch verstanden werde… Ich halte Wikipedia für eine großartige Plattform und das Wissenschaftsmagazin nature hat der wikipedia auch ein qualitatives Kopf-an-Kopf-Rennen mit der Encyclopidia Britannica bescheinigt. Und trotzdem wäre es ein Fehler, der wikipedia eine zu große inhaltliche Bedeutung beizumessen.
Das Experiment wikipedia hat einer breiten Öffentlichkeit die demokratisierenden und liberalisierenden Funktionen des Internet offenbart, das sollte gewürdigt werden. In Verbindung mit weiteren Quellen sowie eigenem Nachdenken und Überprüfen, ist wikipedia ein gutes Werkzeug. Doch allein einem angenommenen emergenten Prozess der Destillation der Wahrheit durch die Masse zu vertrauen, ginge mir zu weit. Man könnte fast von einer Art analoger Singularität sprechen.
Diese Überlegungen zeigen, wie anspruchsvoll, oder idealistisch Projekte wie der Citizen Think Tank sind.
mnemo (beta):

August 11th, 2006 at 1:08 am
Diese “analoge Singularität” steht zur “technolgischen Singularität” in einem umgekehrt proportionalen Verhältnis.
September 15th, 2006 at 6:56 pm
[…] Doch was bedeutet Erfolg bei einer öffentlichen Enzyklopädie? Die Menge der User, der Artikel, deren Qualität, oder eine schwierig zu definierende Menge daraus? Obwohl mit der Encyclopedia Britannica auf gleiche Stufe gestellt, wächst die Kritik an der Methodik. Da Experten auf gleicher Stufe wie Laien oder Besserwissen agieren müssen, Quellen und Verknüpfungen oft nicht oder nur unzureichend vorhanden sind und damit die Verifizierbarkeit und das Vertrauen in den Wahrheitsgehalt und die Qualität in Frage gestellt wird (siehe: The Concept of Truthiness). […]