Erst war es eine technische Spielerei, um die Institutionen eines Viertels zu vernetzen, jetzt wird daraus ein Sozialprojekt für die ganze Stadt: In Prag sollen bald alle Einwohner kostenlos das Internet nutzen können. Die Menschen sind begeistert - doch die kommerziellen Anbieter laufen Sturm.
Wie ich schon in der Readers Edition vor einigen Wochen geschrieben habe, offenbart sich an solchen Geschichten ein Konstruktionsfehler des Internet’. Nicht zu unrecht gibt es immer zahlreiche und kontroverse Diskussionen, wenn über die Privatisierung von Straßen und öffentlichen Einrichtungen der “realen Welt” gesprochen wird.
Das Internet ist ein Medium, welches gerade Stück für Stück von der Gesellschaft, den Gesellschaften, assimiliert wird. Kaum eine andere Technologie ist so schnell omnipotentes und -präsentes Werkzeug geworden, wie das Internet mit seinen Protokollen. Damit entsteht ein Anspruch der Gesellschaft, wie auch der Individuen, auf die Nutzung.
Das mancherorts der Staat diese Möglichkeit sicherstellt, ist in Ordnung. Doch die wahre Revolution offenbart sich, wenn man an die Möglichkeiten der Selbstvernetzung denkt. Das Internet, als ein gigantischer Ameisenhaufen: Accesspoints in jedem Haushalt. Dies wäre eine Vorstellung, die sehr viel näher an die ursprüngliche Vision des Internet heranreichen würde.
So könnte eine Mischform aus “urbaner Selbstversorgung”, börsennotierten Großanbietern und staatlicher Grundversorgung durchaus eine ernstzunehmende Zukunft beschreiben.
siehe auch:
- Neue Technologien erweitern die soziale Interaktion
- Net Neutrality
- Symbiotic Web


August 4th, 2006 at 1:47 pm
[…] Internet für alle in Prag heute.de berichtet: Erst war es eine technische Spielerei, um die Institutionen eines Viertels zu vernetzen, jetzt wird daraus ein Sozialprojekt für die ganze Stadt: In Prag sollen bald alle Einwohner kostenlos das Internet nutzen können. Die Menschen sind begeistert - doch die kommerziellen Anbieter laufen Sturm. Wie ich schon in der Readers Edition vor einigen Wochen geschrieben […]Source: Internet für alle in Prag - Collaboration [Feed] […]
August 17th, 2006 at 11:18 am
Hallo Tim,
Du schreibst:
“Das Internet ist ein Medium, welches gerade Stück für Stück von der Gesellschaft, den Gesellschaften, assimiliert wird.”
Ich finde assimiliert einen sehr lustigen Begriff. Soziologisch würde ich jedoch sagen, dass es eher um ein Inkulturationsphänomen geht?! Oder bin ich der Einzige, der mit Assimiliert eher negative Aussprüche von Wesen aus einer Fernsehsendung aus meiner Jugend verbirgt???
“Kaum eine andere Technologie ist so schnell omnipotentes und -präsentes Werkzeug geworden, wie das Internet mit seinen Protokollen. Damit entsteht ein Anspruch der Gesellschaft, wie auch der Individuen, auf die Nutzung.”
Da gebe ich Dir vollkommen recht. Aber leider sind wir hier @home leider nicht im Geringsten so weit. Nach der Versteigerung von den UMTS Lizenzen steht uns wahrscheinlich eine Kommerzialisierung der WIMAX Bandbreiten ins Haus, was ich aus meiner Sicht nämlich nicht verstehe. Sollten sich damit eventuell die Träume nach offenen Bürgernetzen endgültig erledigt haben?
Und jetzt noch einmal aus rein historisch-technischer Perspektive: Eigentlich und uneigentlich bräuchte das OSI-Schichtmodell, dass ja als architektonischer Unterbau allen IP-Netzen zugrunde liegt, so etwas, wie Provider gar nicht. also damit meine ich die Stellen, die sich den Zugang zur Weiten Welt des Netzes regeln. Und mit IPv6 wäre dies ebenso von der Ursprungsidee eigentlich überflüssig.
OK soweit und bis denne
Andreas Auwärter
November 23rd, 2006 at 12:32 pm
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