July 30th, 2006 by Tim Bruysten in culture

Seit dem Computerspiele als Massenphänomen auftreten, werden sie in der Öffentlichkeit kontrovers, aber nicht unbedingt umfassend oder ausgeglichen diskutiert. Schlagzeilen, die die breite Masse erreichen, handeln meißtens von der Vermutung, Computerspiele würden computersüchtige gewaltbereite Wahnsinnige produzieren.

Den gleichen Vorwurf des Realitätsverlustes des Rezepienten hat man schon Romanen und Kinofilmen gemacht, zu anderen Zeiten. Und eine verallgemeinerte Betrachtung zeigt auch zunächst nur die Erkenntnis, daß Menschen eben Menschen sind, weil sie mit den ihnen verfügbaren Technologien spielen, schon zu allen Zeiten.

Heise zitiert den Trend- und Zukunftsforscher Matthias Horx, der postuliert, Computerspiele, besonders komplexe Rollenspiele, würden die Intelligenz des Spielenden fördern:

Dabei ließen sich “Kooperation, Kampf um Konkurrenz, strategisches und taktisches Denken” lernen. “Es ist das ideale Trainingsinstrument für die Fähigkeiten, die wir in Zukunft besonders brauchen: Kombinationsgabe, strategisches Denken und emotionale Intelligenz.” Entscheidend seien die drei Ebenen des Spiels, das ganze Generationen fasziniere: “Psychologie, Anthropologie und Ökonomie.

Bezugnehmend auf Kritiker heißt es weiter:

“Die Bedenkenträger sind vor allem die Medien. Und dann gibt es immer eine Menge von Leuten, die ihre alten Privilegien gegen die Newcomer verteidigen wollen. Das ist eine unselige Tradition.” Und weiter: “Die Kirche hat ebenfalls versucht, Kulturtechniken zu dominieren – die Leute sollten Latein lesen und die Bibel studieren, alles andere galt als abwegig. Dabei entwickeln sich neue Medien immer durch eine Art Verdauungsprozess. Es kommt eine neue Technologie auf, man experimentiert damit, und dann lernen Menschen langsam, sinnvoll damit umzugehen.”

In dem Artikel wird nicht verschwiegen, daß der übermäßige Konsum jedes Mediums zu Problemen führen kann.

Der Ansatz, das mit Spielen komplexe Mechanismen sozialer Interaktion gelernt werden können, ist Grundlage jeder Kulturwerdung des Menschen. Aber dies im Kontext der Möglichkeiten und einer vernetzten Gesellschaft in der Öffentlichkeit neu zu begreifen, wird wohl noch einige Zeit dauern. (siehe auch: Neue Technologien erweitern die soziale Interaktion)

Die öffentliche Meinung steckt noch mitten im von Horx “Verdauungsprozess” genannten Vorgang der Assimilation der “neuen” Technologien; oder besser, in der Austestung und Assimilation der distributiven, kommunikativen und kollaborativen Möglichkeiten dieser Technologien (siehe auch: Readers Edition, Symbiotic Web). Designer können mit ihren Methoden helfen, diesen Vorgang einfacher, bewußter und überschaubarer zu machen.

siehe auch:
- Pädagoge stellt brutale PC-Games und Personen-Umfeld in Zusammenhang
- Multimedia erobert die Kindergärten
- Die Realität ist nicht genug
- Konsolidierung des Krieges
- Kinder werden immer dümmer
- Alternative Reality Games

mnemo (beta):

    3 Responses to “Computerspiele als Lernsysteme”

    1. Dipl. Designer Tim Bruysten - Interfacedesign - Interaktionsdesign - soziales Design » Blog Archive » Diskussion um Medienkompetenz Says:

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    2. Dipl. Designer Tim Bruysten - Interfacedesign - Interaktionsdesign - soziales Design » Blog Archive » Quarks & Co über das Lernen Says:

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    3. Diskussion um Medienkompetenz at leaving entropy Says:

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