July 6th, 2006 by Tim Bruysten in [geschichte der zukunft]

Intellektuelle vielerorts diskutieren über das Potential eines symbiotischen Verhältnis zwischen der Gesellschaft und dem Internet. Wie verändern sich Meinungsbildungsprozesse in einer vernetzten Welt, in der, tatsächlich jeder überall Zugriff auf das Netzwerk hat. Ein Zustand, der uns zumindest in den Industriestaaten bald schon erreicht haben könnte. UMTS, WiMax, offenen Wlans, etc. sei Dank.

Doch nicht nur die Infrastruktur wächst, auch die “Software” bietet neue Möglichkeiten zur Entscheidungsfindung. Portale widmen sich diesem Thema und selbst wenn man Hype-Gedanken (siehe Readers Edition, Interblase 2.0) nicht ganz beiseite wischen kann, läßt sich die generelle Tendenz nicht leugnen.

Jürgen Habermas hat auf der “Networking Communication Research Conference”, die Ende Juni in Dresden stattfand sich zu diesem Thema geäußert. Spiegel Online berichtet:

Wir wissen nicht, ob Digg-Chef Jay Adelson Jürgen Habermas kennt. Jedenfalls scheint das mit immensen Wachstumszahlen gesegnete Webangebot Digg.com wie eine technologische Umsetzung einer Habermas’schen Grundthese - der von den “deliberativen Verfahren der Willensbildung”: Alle sollen möglichst viel miteinander reden, dann kann die Demokratie funktionieren. Vom “spontanen und wechselseitigen Austausch von Argumenten zu relevanten Themen auf der Basis hinreichender Informationen” spricht Habermas - und im Moment wird genau dieser Austausch per Software global neu organisiert.

“Kollaborative Meinungsbildungs-Websites”
- digg.com
- qype.com
- del.icio.us
- technorati.com

Es entsteht der Eindruck, daß das Internet zu seinen Wurzeln zurückkehrt. Das Usenet wurde vor Jahrzehnten als hochtransparente und -kommunikative wie -kollaborative Austauschplattform konzipiert. Mit der “Erfindung” des WWW wurde das Internet zwar massentauglich, aber von einem Kommunikations- zu einem Distributionsmedium.

Nun die Rückkehr zu den Wurzeln. Doch mit einem Unterschied. Diesmal ist es die Masse die dorthin drängt und nicht ein elitärer Kreis von technisch “Eingeweihten”.

mnemo (beta):

    3 Responses to “Deliberative Verfahren der Willensbildung”

    1. Readers Edition » Symbiotic Web Says:

      […] Die dritte Seite der Medaille sind in diesem Kontext Inhalte. Ein Medium wie das Internet überall nutzen zu können, bedeutet auch, es zu jedem Zweck zu nutzen. Eine mit dem Internet symbiotisch verwachsene Gesellschaft, die der obigen Prognose der Übertragung Teile ihrer Infrastruktur auf ein Medium realisiert, wird auch Teile der Selbstbestimmung, der Verwaltung, des Meinungsbildungsprozesses (siehe: Deliberative Verfahren der Willensbildung) in diesem Medium abbilden. […]

    2. Dipl. Designer Tim Bruysten - Interfacedesign - Interaktionsdesign - soziales Design » Blog Archive » Next Step Says:

      […] siehe auch: - Deliberative Verfahren der Willensbildung - Öffentliches Wissen - Neue Technologien erweitern die soziale Interaktion Tags: collaboration, Datenschutz, kommunikation, Ubiquitous Computing, world wide web, [geschichte der zukunft] […]

    3. Dipl. Designer Tim Bruysten - Interfacedesign - Interaktionsdesign - soziales Design » Blog Archive » Blase 2.0 Says:

      […] Beispiele: - Deliberative Verfahren der Willensbildung - Neue Technologien erweitern die soziale Interaktion - Öffentliches Wissen […]

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