Auf der Website der Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich findet sich ein lesenswerter Text zur Designtheorie von Norbert Bolz. Doch, so sehr mich der Text an einigen Stellen zustimmen läßt, so sehr mag ich ihm an anderen widersprechen.
Der Text ist lesenswert, weil er einen guten Überblick über einen möglichen Designbegriff, der einen bestimmten Designbereich abdeckt, gibt. Allerdings kann er nur eine Zwischenstufe in einem Prozess darstellen, da er an vielen Stellen erheblich weiterzuentwickeln ist und einige grobe Unstimmigkeiten und Fehler enthält (so meine Einschätzung).
Zustimmen kann ich, wenn der Text sagt: “Design ist die Technik der Differenz, die zählt”. Doch muß ich dem Schluß “Design ist benutzerfreundlich – oder hat es zu sein; das heißt es bleibt bei der Entfaltung der Oberfläche.” zutiefst widersprechen. Ein Designbegriff, der sich selbst als reine Schnittstellenwissenschaft definiert, kann nicht meiner sein und ist, meiner Ansicht nach, auch nicht nachhaltig.
Hier auf den ganzen Text einzugehen, würde den Platz, den ich Artikeln in diesem Weblog einräume, deutlich sprengen. Doch eine These interessiert mich besonders, der Autor beschreibt das Design “als funktionales Äquivalent für Religion”. Daher hier ein kleiner Abriss, der ein Denkmodell zeigen soll.
Ohne die Selbstüberschätzung zur Designdisziplin zu erheben, kann man, wenn man diese Aussage etwas anders beleuchtet, zu interessanten Einsichten kommen. In der Kürze kann man so viel sagen, daß gestaltete Kulturausprägungen dem Menschen seit er gelernt hat, sich und seine Umwelt zu reflektieren, einen Schutzmantel vor der Erkenntnis der Einsamkeit geboten haben. Dies waren beispielsweise Religionen oder politische Ideologien, aber auch, und dies nicht nur zu heutigen Zeiten, Marken und Prestigeobjekte, Mittel der Kommunikation und Informationsspeicherung… Objekte oder Methoden, die dem Menschen die Möglichkeit zur Orientierung, zur Ordnung seines Weltbildes gaben. Eben Methoden zur Differenzierung.
Eine Urbedeutung von Design ist die “Bezeichnung”. Es ist (auch) eine Methode, oder besser, es bietet Methoden zur Beschreibung der Umwelt und dies in einer Weise, die dem Gebrauchsnutzen der Menschen entsprechen soll. Dazu benutzt es Medien und hierin z.B. die Mittel der visuellen Gestaltung als Werkzeuge zur Umsetzung dieses Ziels.
Doch ohne eine tiefe und umfassende Reflexion des sozialen, soziologischen, des anthropologischen (…) Umfeldes würde Design wirklich nur eine “Oberflächengestaltungs-Wissenschaft” sein; was seinen Möglichkeiten nicht gerecht werden würde…
mnemo (beta):

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