December 23rd, 2004 by Tim Bruysten in c-learning / e-learning

Bachelor und Master sollen richten, was Jahrzehnte falscher Bildungspolitik vermasselt haben; im Zuge der europäischen Harmonisierung wird völlig rücksichtslos ein Bildungssystem etabliert, welches die bestehenden Probleme deutlich verschärfen wird. Nicht, dass etwas gegen einheitliche europäische Bildungsabschlüsse zu sagen wäre, doch läßt sich schon jetzt eine Tendenz heraussehen, dass der Master eben nicht für Jeden zugänglich sein wird, während der Bachelor als sechs semestriges Studium kaum geeignet ist, ein hochwertiges Bildungsniveau zu etablieren.

Wahrscheinlich wird sich der Staat dem Wunsch nach einem kostenlosen Studium, welches über den Bachelor hinausgeht widersetzen, da mit selbigem ja eine abgeschlossene (Hochschul-) Ausbildung vorliegt und er damit seiner Pflicht entbunden ist.

Vorzustellen ist vielleicht in einigen Fächern, dass durch intensiveres Lernen, eine bessere Förderung der Studierenden im Fach und in monetärer Hinsicht, mit gleichzeitiger Besserstellung der Fachbereiche, eine Effizienzsteigerung erreicht werden kann, die ein verkürztes Studium kompensiert. Es gibt jedoch auch Fachbereiche, in denen eben dies kategorisch auszuschließen ist. Design zum Beispiel.

Trotzdem wird es wohl ein Wunschtraum schlafloser Professorennächte bleiben, anzunehmen, dass ein verkürztes Studium mit besseren Geldmitteln ausgestattet werden wird. Woher dann eine Effizienzsteigerung im Sinne einer verbesserten Ausstattung und dichteren Personaldecke kommen soll, ist also offen.

Aber bleiben wir beim Beispiel des Design - Studiums. Für die Innovationskraft dieser Gesellschaft ist es von exorbitanten Wert; viele Beispiele allein aus diesem Weblog, beweisen dies. Nur damit es nicht in Vergessenheit gerät. Ein Designer ist zwar auch jemand, der sich mit Regeln, die durchaus auch paukbar sind, beschäftigt, er wird aber nur ein guter Designer sein, wenn er individuell, seinen Talenten entsprechend arbeitet und auch gefördert wird. Er wird nur ein guter Designer werden, wenn er Zeit findet, eine Vielzahl von Dingen auszuprobieren und Zeit für eine persönliche Entwicklung eingeräumt bekommt.

Das ist eine völlig andere Situation als in den meisten Studiengängen. Es ist einfach lächerlich anzunehmen, dass ein Design-Student in 5 Semestern Studieren und im 6. seine “Bachelor-Arbeit” schreiben soll.

Qualifikation und Leistungsfähigkeit werden darunter leiden, eine der letzten Dinge, die ein dem globalen Wettbewerb ausgesetztem Europa gebrauchen kann.

Den Master halte ich für eine gute Sache, auch eine hohe Eingangsqualifizierung ist durchaus interessant. Doch wird sich wahrscheinlich als erste Hürde zur Aufnahme eines Master-Studienganges, nicht das Talent und die Leistungsbereitschaft eines Studierenden, sondern sein Geldbeutel erweisen.

siehe:
- Studie: Im Schnitt ein Computer für zwölf Schüler
- Wo liegt Pisa?
- Medienmanagement im Schulsystem (tut Not)
- E-Learning wird Alltag
- Der Unterricht wird zum Lokaltermin
- Grundlage für vernetztes Wissensmanagement wird geschaffen
- Wikis, Blogs und Wissensmanagement
- campus innovation
- kinder und medien
- Forscher warnt vor “Googlesierung” der Ausbildung
- poesie der bildung
- EU-Bildungsbericht
- Knowledge Management und eLearning

mnemo (beta):

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