March 15th, 2004 by Tim Bruysten in telekratie, eGovernment, real reality

“Die Bush-Regierung wird dies so benutzen, wie die Nazis den Reichstagsbrand benutzten.” - dies war, so der US-amerikanische Philosoph Richard Rorty, sein erster Gedanke, als er am 11. September 2001 die Nachrichten hörte. Und alle seine Befürchtungen hätten sich bewahrheitet. Wenn der “Krieg gegen den Terror” noch lange so weitergehe wie in den letzten zweieinhalb Jahren, erklärte Rorty, könnten die westlichen Demokratien daran zugrunde gehen. Mit der Umwälzung der Völkerrechtsordnung und des bis dahin bestehenden unausgesprochenen Handlungskonsenses seit dem 11.September 2001 beschäftigte sich jetzt eine hochkarätig besetzte internationale Tagung am Potsdamer Einstein-Forum zum Thema “Terror, Internationales Recht und die Grenzen der Demokratie”. Dort ging es gleichermaßen um die gegenwärtige Umwälzung des etablierten Völker- und Kriegsrechts, als auch um deren Folgen für die innere Verfassung des Westens.
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sicherheit vor freiheit? oder umgekehrt? kann es sicherheit ohne freiheit geben? oder freiheit ohne sicherheit? klar ist eins, vor fundamentalistischen selbstmordattentätern kann man sich nicht schützen. wenn einzelne individuen durch destruktives verhalten die sicherheit der allgemeinheit verletzen, kann ein morderner rechtsstaat, der aus den fehlern der diktaturen und totalitären systeme der vergangenheit und gegenwart gelernt hat, nur mit rechtsmitteln reagieren. präventionskriege sind mit einer gesunden moral, wie auch dem völkerrecht genausowenig vereinbar, wie vorverurteilungen und pauschalurteile in einem rechtsstaat.

doch was hat diese diskussion mit design und wissensmanagement zu schaffen? wo ist der zusammenhang zwischen politik, terror und gestaltung? nunja. die unserem beruf innewohnenden teilgebiete der medienkommunikation oder allgemeiner: des marketing sowie der massenphänomäne und der blinden angst einzelner vor terror werden als gefährlicher coktail zum abbau unseres rechtsstaats genutzt, gerade mit dem argument, diesen dadurch erhalten zu wollen.

doch als medienschaffender und -junkie sollte man kurz aufmerken, wenn man sieht, wie die eigenen werkzeuge zu ethisch verwerflichen zwecken mißbraucht werden.

die semantischen werkzeuge der medien können freiheit garantieren, sie können aber auch zum ihrem politischen tod führen. auf der anderen seite stehen die technischen werkzeuge der medien, diese bieten ebenfalls eine große möglichkeit, macht auszuüben, da sie sich hervorragend zu kontrolle von individuen eignen.

wenn also in den medien eine diskussion geführt wird, die darstellt, dass angesichts des terrors der abbau des freiheitlichen rechtstaates die einzige möglichkeit ist, selbigen zu erhalten und wenn die medien diese diskussion in einer weise zulassen, dass gar nicht dieses entweder-oder im vordergrund steht, sondern ein entweder terror, oder sicherheit, so ist dies nicht nur absurd und zutiefst steinzeitlich, sondern muß bei den medienkundigen eine gegendiskussion über qualität und quantität der medien auslösen.

informationen gibt es auch hier:
- fundachen/zeit.de

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